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Vortrag: E.T.A. Hoffmann in Bulgarien – Rezeption, Übersetzungen, Einflüsse, Interpretationen

Datum:

Ort: Online

Format: Vortrag

Hoffmanns Rezeption in Bulgarien ist bei weitem nicht an Intensivität und Volumen mit den anderen deutschen Autoren wie Goethe, Schiller, Heine zu vergleichen. „Hoffmanns Werk hat in Bulgarien ein kompliziertes und besonderes Schicksal“ – schreibt der berühmte bulgarische Übersetzer Ventzeslav Konstantinov. Die bemerkenswerte Abhandlung von Elena Nährlich-Slateva über Hoffmann und Bulgarien, veröffentlicht im E.T.A. Hoffmann-Jahrbuch (Bd. 6, 1998), beginnt mit den Worten: „Die Rezeption E.T.A. Hoffmanns in Bulgarien scheint unter keinem glücklichen Stern zu stehen, besonders wenn man die französische und die russische Rezeption vor Augen hat“. Bei dem heutigen bulgarischen Hoffmann-Leser ruft Heines Urteil über Hoffmanns Werk – „nichts anderes als ein entsetzlicher Angstschrei in zwanzig Bänden“ – eher Erstaunen hervor. Das liegt nicht am ersten Teil des Ausdrucks – „ein entsetzlicher Angstschrei“, sondern wohl an der erschreckenden Menge von Bänden, die zum größten Teil dem bulgarischen Publikum immer noch unbekannt sind. Wo sind diese 20 Bände, fragt sich der bulgarische Leser?
Trotz dieses Bildes zeigt sich, dass die Rezeption von E. T. A. Hoffman in Bulgarien vielfältig und sehr intensiv ist – von Übersetzungen seiner Werke über Einflüsse auf bulgarische Schriftsteller bis hin zu Theater- und Filminterpretationen in der Gegenwart.

Die Wirkung Hoffmanns auf die bulgarische Kultur hat auch eine sehr wichtige Dimension, die in einem Vergleich mit den in Bulgarien populären deutschen Autoren hervorgeht. Im Unterschied zu ihrer Rezeption in Bulgarien, die sich im Kreis der klassischen Behandlung bewegt, nämlich Übersetzung, Lektüre, Kommentare und Einbindung in den Literaturkanon, geht Hoffmanns Werk über dieses Schema hinaus. Es provoziert das Experimentelle, lässt Variationen und Improvisationen entstehen, wirkt inspirierend und ansteckend. Das ist wohl der Grund für seine immerwährende Aktualität.
Der Diskussion dieser Fragen widmet sich der Vortrag.

Referent:innen: Svetla Cherpokova (Universität Plovdiv), Boris Minkov (Nationale Akademie für Theater- und Filmkunst, Sofia), Blagovest Zlatanov (Universität Heidelberg)