Zeitstrahl
Hoffmanns Leben als Übersicht
Hoffmanns Leben als Übersicht
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822) war Jurist, Musiker, Zeichner und einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Romantik. Aus Verehrung für Wolfgang Amadeus Mozart ersetzte er später den Vornamen Wilhelm durch Amadeus. Nach der Scheidung seiner Eltern wuchs Hoffmann bei seiner Mutter auf, wurde jedoch weitgehend durch seinen Onkel Otto Dörffer, erzogen. Dieser sorgte früh für Musik- und Zeichenunterricht, sodass Hoffmann bereits mit 13 Jahren seine ersten Kompositionen zu Papier brachte.
Ab 1782 besuchte Hoffmann die reformierte Burgschule, an der er in Theodor Gottlieb von Hippel einen Freund fürs Leben fand.
Im Jahr 1792 nahm er ein Jura-Studium auf, das er 1795 erfolgreich abschloss. Auch in dieser Zeit zeichnete und komponierte Hoffmann und schrieb seinen ersten Roman Cornaro, der jedoch nicht erhalten geblieben ist. Dem Studium folgten Anstellungen in Königsberg und ab 1796 am Gericht in Glogau. Zwei Jahre später, nach dem erfolgreich abgeschlossenen Referendarexamen, verlobte sich Hoffmann mit seiner Cousine Minna Dörffer und wechselte als Gerichtsrat nach Berlin. Das großstädtische künstlerische Leben konnte er jedoch nur kurze Zeit genießen, da er nach dem Assessorexamen im Jahr 1800 nach Posen versetzt wurde.
Hoffmann hinterließ zahlreiche Zeichnungen und Karikaturen.
Sie zeigen:
Aufgrund einiger Karikaturen, in denen sich Hoffmann über die Posener Gesellschaft lustig gemacht hatte, wurde er 1802 nach Plock/Weichsel strafversetzt. Im selben Jahr heiratete er die Polin Maria Thekla Michalina Rorer-Trzynska; die Verlobung mit Minna hatte er zuvor gelöst. Neben seinem Hauptberuf als Regierungsrat schrieb, zeichnete und komponierte Hoffmann zunehmend. Er engagierte sich beim Aufbau einer „Musikalischen Gesellschaft“ in Warschau und konnte als deren Dirigent auch erstmals eigene Werke aufführen. Mit dem Einrücken der französischen Truppen verlor er 1807 seine Anstellung und begab sich in Berlin auf Stellensuche, die jedoch erfolglos blieb.
So nahm er 1808 die Stelle des Kapellmeisters am Bamberger Hoftheater an. Während seiner Zeit in Bamberg widmet sich Hoffmann vermehrt der Schriftstellerei. Als Musikkritiker der Allgemeinen Musikalischen Zeitung veröffentlichte er einflussreiche Texte, insbesondere über Ludwig van Beethoven, dessen Musik er als Ausdruck der romantischen „unendlichen Sehnsucht“ verstand. Beethoven höchstpersönlich wandte sich in einem Brief vom 23. März 1820 an Hoffmann, um für das Schreiben über seine Werke zu danken.
Im Kontext der Musikkritik entwickelte Hoffmann zu dieser Zeit auch die fiktive Figur des Kapellmeisters Kreisler, die in gewisser Weise sein literarisches Alter Ego darstellt. Er tritt in einer Reihe von Kreisleriana-Erzählungen auf, unter anderem in dem Roman „Lebensansichten des Kater Murr“.
1810 fand Hoffmann eine neue Anstellung am Bamberger Theater als Direktionsgehilfe, Dramaturg und Dekorationsmaler. Daneben verdiente er Geld als Musiklehrer. Eine heftige Verliebtheit in seine Musikschülerin Julia Mark machte ihm sehr zu schaffen und floss in seine literarischen Werke ein.
Da Julia 1812 heiratete und auch die finanziellen Probleme Hoffmanns größer wurden, nahm er im darauf folgenden Jahr das Angebot, als Theaterkapellmeister in Dresden zu wirken, an.
Während er zunehmend literarisch tätig war und weiterhin Erzählungen in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung veröffentlichte, spielte die Musik hier noch ein letztes Mal die Hauptrolle: Mit der 1814 vollendeten Oper Undine gelang ihm sein wohl wichtigstes musikalisches Werk, das 1816 in Berlin uraufgeführt wurde.
Allgemeine Musikalische Zeitung
In der von Johann Friedrich Rochlitz herausgegeben Zeitschrift veröffentlichte Hoffmann neben seiner ersten Erzählung Ritter Gluck (1809) auch zwei wichtige Beethoven-Rezensionen, die später in den Aufsatz Beethovens Instrumentalmusik im ersten Teil der Kreisleriana einflossen.
Brief Beethovens an E.T.A. Hoffmann
„[…] Sie nehmen also, wie ich glauben muß, einigen Antheil an mir; Erlauben Sie mir zu sagen, dass dieses von einem mit So ausgezeichneten Eigenschaften begabten Manne ihres gleichen, mir sehr wohl thut.[…]“
Was ist er?
Was verkörpert er?
Zusammen mit den Kreisleriana und mit weiteren Erzählungen, darunter das Märchen Der goldene Topf, wurden die fiktiven Briefwechsel zwischen Baron Wallborn und Johannes Kreisler von Hoffmann auch in die 1814 und 1815 erschienene Sammlung Fantasiestücke in Callots Manier aufgenommen, mit der er seine ersten großen literarischen Erfolge feiern konnte.
In unterschiedlichen Varianten begegnet einem in den Fantasiestücken der Einbruch des Fremden in die Realität, der Widerstreit von bürgerlicher Normalität und fantastischer Kunst, von äußerer Vernunft und geheimnisvoller Tiefe des menschlichen Unbewussten.
Die Erfahrung einer zerrissenen sowie gedoppelten Wirklichkeit prägen auch den ab 1814 entstandenen Roman Die Elixiere des Teufels, dessen erster Band 1815 erschien und dem der zweite Band 1816 folgte.
1814 beendete Hoffmann seine musikalische Laufbahn in Dresden und kehrte nach Berlin zurück. Dort fand er eine Anstellung am Kammergericht und wurde 1816 zum Kammergerichtsrat befördert. Zugleich baute er sich in der Berliner Gesellschaft rasch einen großen Kreis von Freunden und Bewunderern auf; er pflegte Umgang mit Tieck, Chamisso, Eichendorff, Humboldt und weiteren bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit. In einem Leben zwischen Kammergericht und der Weinstube Lutter & Wegner, in der er sich fast allabendlich mit dem Schauspieler Ludwig Devrient traf, fand er doch genug Zeit zum Schreiben und entwickelte eine hohe literarische Produktivität. Ab 1816 arbeitete Hoffmann an einer zweiten Sammlung von Erzählungen, den Nachtstücken. Die bekannteste Erzählung des Zyklus’ ist sicher Der Sandmann.
1819 wurde Hoffmann in die Immediat-Commission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe berufen. Durch seine aufrichtige Arbeit, die häufig Angeklagte vor polizeilicher Verfolgung schützte, zog er den Unmut des Berliner Polizeidirektors auf sich. Mit der Beförderung in den Oberappellationssenat erhielt Hoffmann 1821 andere Aufgaben. In einem Disziplinarverfahren wegen der Karikierung des Polizeidirektors in dem 1822 erschienen Roman Meister Floh und einer darauf folgenden Zensur des Werkes, fand diese Zeit aber ein trauriges Nachspiel.
Bereits 1819 war Hoffmann schwer erkrankt. Dennoch fand er in den nächsten Jahren weiterhin die Kraft, neben der täglichen Arbeit literarisch tätig zu sein. Mit Das Fräulein von Scuderi (1818) und den Lebens-Ansichten des Katers Murr (1819-21) erschienen wichtige Spätwerke.
