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Let’s get personal oder Gestatten, mein Name sei Ernst Theodor Amadeus – Hoffmann online Nr. 5

Ein Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren… Heute wollen wir E.T.A. Hoffmann etwas persönlicher begegnen und Ihnen freie Online-Materialien zur einführenden oder auch spezielleren Beschäftigung mit seiner Biografie vorstellen. Auf ein schönes erstes oder näheres Kennenlernen mit Herrn Hoffmann also!

Aus E.T.W. wird E.T.A. – als Ausdruck seiner Bewunderung für Wolfgang Amadeus Mozart verbannt Hoffmann „den preußisch, ungeliebten Wilhelm“ aus seinem Vornamen und setzt an dessen Stelle ein Amadeus. Diese und weitere Anekdoten aus Hoffmanns Leben präsentiert Tilman Spengler in der Sendereihe Klassiker der Weltliteratur von ARD-alpha: online verfügbar in der BR-Mediathek bis zum 27. Mai 2020. Eingebettet in den (literatur)geschichtlichen und politischen Kontext begleitet er Hoffmanns persönlichen und beruflichen Weg und charakterisiert ihn vor allem als ungezügelt fantasievollen, abergründigen Literaten mit nachhaltiger Wirkung.

Eine visuell kreativ und humorvoll gestaltete (Zusammen)Fassung von Hoffmanns Biografie findet sich in der WDR-Mediathek unter dem Titel Dichter dran: E.T.A. Hoffmann. Planet Schule. In zehn Minuten werden das Auf und Ab, sowie die vielfältigen Begabungen und Leidenschaften in Hoffmanns Leben bebildert. Anhand der Erzählungen Ritter Gluck und Der Sandmann beleuchtet der Beitrag vor allem eine Besonderheit des Schriftstellers Hoffmanns: seine Fähigkeit, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen und auch die Nachtseite der menschlichen Existenz zur Sprache zu bringen.

Ausgehend vom Doppelgängermotiv erinnert Christiane Kopka in ihrem Audiobeitrag im NDR-Info-ZeitZeichen an E.T.A. Hoffmann: Schriftsteller der Romantik. Die Zerrissenheit und Gespanntheit von Hoffmann(s Leben) sowie die vielfältigen Identitätsgefährdungen in seinen Erzählungen stehen hier im Vordergrund. Mit pointierten Zitaten des Literaturwissenschaftlers und Hoffmann-Experten Hartmut Steinecke erscheint uns E.T.A. Hoffmann als „Meister der Masken“ – sowohl in seinem Werk als auch in seinem Leben.

Im Alter von 16 Jahren beginnt Hoffmann trotz seiner künstlerischen Neigungen und Talente widerwillig, unter Druck seiner Familie, das Jurastudium in Königsberg. Nebenbei verfasst er jedoch Romane, komponiert und zeichnet weiterhin. An seinen Schulfreund Theodor Gottlieb von Hippel schreibt der 20-Jährige später: „Die Wochentage bin ich Jurist und höchstens etwas Musiker, sonntags, am Tage wird gezeichnet, und abends bin ich ein sehr witziger Autor bis in die späte Nacht.“ Weitere Briefe, sowie Autographe, Biografisches und Hoffmanns Lesestoffe gibt es als Kollektionen in Hoffmann digital zu entdecken. Auch weiterführende Text-Beiträge von Hartmut Steinecke zu E.T.A Hoffmanns Briefen und E.T.A. Hoffmanns Tagebuch finden Sie in unserem Portal.

Außerdem gibt es neben einem Biogramm, verfasst von Jörg Petzel, auch einen Zeitstrahl, mit dem wichtige Ereignisse in Hoffmanns Leben thematisch geordnet und geografisch verortet nachvollzogen werden können. Wer es weniger chronologisch oder ausführlich mag, dem seien stattdessen die kleinen merkwürdigen Geschichten aus Hoffmanns Alltag unter Kurioses empfohlen. Oder die vermutlich kürzeste Biografie der Hoffmann-Audio-Geschichte: in knapp 4 Minuten wird im BR-Podcast Kalenderblatt sein Leben von der Geburt bis zur Inschrift seines Grabsteines erzählt. Letztere sei hier zum Ausklang zitiert:

E. T. W. Hoffmann

geb. Königsberg in Preußen
den 24. Januar 1776
gest. Berlin den 25. Juni 1822
Kammer Gerichts Rath

ausgezeichnet im Amte

als Dichter
als Tonkünstler
als Maler.

Gewidmet von seinen Freunden

Wissen to go – E.T.A. Hoffmann online Nr. 4

Die Ferien sind vorbei, die Schulen als physische Lernorte aber weitgehend noch geschlossen. Doch zum Glück führen viele Wege zum Wissen!

E.T.A. Hoffmanns literarische Werke sind Schullektüre in zahlreichen Bundesländern, in Nordrhein-Westfalen aktuell auch mögliches Abitur-Prüfungsthema. Insbesondere für Schüler*innen und Lehrende bietet das E.T.A. Hoffmann Portal einen ausführlichen Bereich zum Unterrichten. Dort können Interessierte zum Beispiel ihr Wissen zum Motiv des Auges oder der Automaten aus Hoffmanns Der Sandmann auffrischen oder erweitern. Daneben finden sich in der Rubrik auch je eine Lerneinheit zu Klein Zaches genannt Zinnober und zu Hoffmanns Wohnorten in Berlin, sowie Quizze – zur Biografie Hoffmanns, zur Transkription eines Briefes von Hoffmann an seinen Verleger und Freund Georg Andreas Reimer und ein Bilderrätsel. Außerdem gibt es Literaturtipps für Lehrende sowie eine große Sammlung externer Materialien zur digitalen Lehre, darunter zum Beispiel der Verweis auf die Sendung „Der goldene Topf“ – vom Zauber der Fantasie | E.T.A. Hoffmann im Porträt und Werksanalyse von Sabine Stahl, in der Reihe Sternchenthemen im Abitur des SWR2 Wissen.

Unterhaltsam und lehrreich zugleich sind außerdem die Beiträge des Podcast Radio-Wissen von Bayern 2. Biografisches zu Hoffmann, Einblicke in sein literarisches Werk und Theorien des (Un)Heimlichen verbindet Carola Zinner in ihrem Audio-Beitrag E.T.A. Hoffmann – Das Heimliche im Unheimlichen. Wer noch mehr über Hoffmann, seine vielseitigen Berufungen und Erzählungen wie Der Goldne Topf erfahren möchte, sei verwiesen auf den Beitrag E.T.A. Hoffmann – Ein Berufsbild von Gabriele Bondy. Einen Überblick zum Kontext der Romantik als Epoche und zu ihren europäischen Hauptvertreter*innen bietet unterdessen der Radio-Wissen-Beitrag Die Philosophie der Romantik – Denken als Gefühl.

Und wer es etwas verspielter mag, dem sei der Preisträger des Grimme-Online Award 2018 empfohlen: Sommers Weltliteratur to go, präsentiert von Reclam. Unter Einsatz von Playmobilfiguren spielt der Dramaturg Michael Sommer Weltliteratur in Kurzversion. Von E.T.A. Hoffmanns Werken gibt es bisher sechs Videos: Nussknacker und Mausekönig, Die Elixiere des Teufels, Der Goldne Topf, Klein Zaches genannt Zinnober, Das Fräulein von Scuderi und Der Sandmann.

Eine andere Version des Sandmann – ursprünglich eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks 1996, gelesen von Gerd Wameling – findet sich in der BR-Mediathek. Einleitend dazu stellt die Moderatorin und Redakteurin Judith Heitkamp sich und uns vor Fragen, die die Erzählung immer noch oder gerade heute wieder aufwirft: „Was ist wahr, was ist Wahn?… Lässt sich alles rational, digital in den Griff bekommen? Was wird aus den Wesen, Automaten, Algorithmen, die der Mensch erschaffen kann?“ Im zweiten Teil stellt sie Hoffmanns Olimpia in den Zusammenhang anderer Automatenliteratur (ausgewählt von Helmut Petzold), in der Männer schreibend vermeintlich ideale, künstliche Frauen erschaffen haben, etwa Ovid im Pygmalion-Gleichnis seiner Metamorphosen, der französische Romancier Auguste de Villiers de l’Isle-Adam mit seiner Eva der Zukunft des 19. Jahrhunderts oder Chris Beckett mit der Roboterfrau Lucy in Messias Maschine von 2004. Ach ach.

Seien sie ganz unautomatisch und stets wissensdurstig gegrüßt von Ihrem E.T.A. Hoffmann Portal-Team

E.T.A. Hoffmann: Sonaten; pf; f-Moll; A 30, Entstehungszeit ca.1807-1808, SBB-PK Sign. Mus.ms.autogr. Hoffmann, E.T.A. 13 (1). CC BY-NC-SA 4.0

„Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an“ – E.T.A. Hoffmann online Nr.3

Wenn für Nietzsche das Leben ohne Musik ein Irrtum wäre, so fängt für Hoffmann die Musik an, wo die Sprache aufhört? Hoffmann war bekanntermaßen nicht nur Schriftsteller, Zeichner und Jurist, sondern auch Musiker. Deshalb geht es in der dritten Ausgabe unserer E.T.A. Hoffmann online-Reihe nun weiter mit musikalischen Empfehlungen.

Ein Musikalien-Werkverzeichnis und eine erste Einführung zu Hoffmann als Musiker finden Sie in unserem Portal. Dort gibt es neben Verweisen auf Hoffmanns Musikrezensionen (z.B. seine Besprechung der 5. Sinfonie Beethovens) unter anderem auch Digitalisate originaler Musiknoten und -handschriften Hoffmanns. Denn Hoffmann spielte nicht nur Klavier, Violine und Harfe und unterrichtete Gesang, er komponierte und dirigierte auch selbst.

Einige seiner Stücke können Sie z.B. bei spotify hören. So hat etwa das deutsche Barock- und Klassik-Orchester „Kölner Akademie“ unter dem Dirigenten Michael Alexander Willens die Symphony in E-Flat Major und Aurora & Undine Overtures eingespielt. Oder hören Sie in das Album von Luisa Guembes-Buchanan, das neben den Sonatas von Hoffmann auch die Kreisleriana von Robert Schumann enthält. 1838 inspirierte nämlich die von Hoffmann geschaffene Figur des Kappelmeisters Kreisler Schumann zu dieser Klavierkomposition. Wer mehr dazu erfahren möchte, sei verwiesen auf den Audio-Beitrag WDR3-Meisterstücke: Schumann „Kreisleriana.

In der BR-Klassik Mediathek findet sich in dem Podcast Do Re Mikro – Klassik für Kinder neben einer Einführung und Geschichten zu Antonio Vivaldi und Franz Liszt auch ein kurzer Abschnitt zu Hoffmann. Außerdem gibt es in der Podcast-Rubrik Klassik aktuell der BR-Mediathek einen interessanten Interpretationsvergleich zu Hoffmanns Erzählungen. Zur aktuellen, weitläufigen Rezeption gibt es dort zudem eine Audio-Rezension von Sylvia Schreiber zur Ballettpremiere Coppélia an der Bayerischen Staatsoper und ein Gespräch mit dem Filmkomponisten James Newton Howard zum Filmstart von Disneys Nussknacker.

Im Hoffmann Portal selbst gibt es einige ausführlichere Beiträge zur musikalischen Rezeption Hoffmanns auf der Bühne und durch Komponisten. Und zum Abschluss, seien sie mit einer Ouvertüre und einem Nachwort der vielfältig von Hoffmann inspirierten Steampunk-Band Coppelius herzlich gegrüßt und musikalisch verabschiedet bis zur nächsten Empfehlung.

Odoardo Fialetti: Human Ears (1608). MEHAU KULYK / SCIENCE PHOTO LIBRARY / Universal Images Group Rights Managed.

Hört Hört – Hoffmann online Nr. 2 – Osterspezial | Ea(ste)r-Special

Ostern 1821, ein Jahr vor Hoffmanns Tod, erscheint der vierte und letzte Teil seiner „Serapionsbrüder“. Diese Sammlung von etwa 30 Erzählungen (die größtenteils zuvor einzeln in Almanachen, Taschenkalendern oder Zeitschriften erschienen sind) wird bekanntermaßen zusammengehalten von einer Rahmenhandlung: sechs Freunde treffen sich regelmäßig an acht Abenden und erzählen einander Geschichten oder lesen ihre Manuskripte vor und diskutieren diese. In einem Beitrag von Prof. Liebrand im E.T.A. Hoffmann Portal finden Sie ausführlichere Informationen zur Entstehung und zu den Traditionslinien der hoffmann’schen „Serapionsbrüder“. Denn der Kunstgriff, verschiedene Geschichten durch eine Rahmenhandlung, in der das Erzählen eben jener Geschichten den Mittelpunkt bildet, findet sich ähnlich schon in Boccaccios Decamerone oder in 1001 Nacht.

So sind diese ungewöhnlichen Ostertage vielleicht eine gute Zeit, die Tradition des Geschichten-Erzählens, des Vorlesens und Hörens aufleben zu lassen. Sei es gemeinsam oder allein, mit unbekannten oder vertrauten Stimmen.

In der Bayern2-Podcast-Mediathek gibt es zu diesem Zweck z.B. Teile der Serapionsbrüder als Hörspiel. Außerdem können Sie dort einen Art-Mix-Essay von Carl-Ludwig Reichert hören, der die Entstehung, Wirkung und das Nachleben der Serapionsbrüder beleuchtet und dabei (hör)spielerisch einen Kurz-Einblick in Hoffmanns Werk gibt.

Weitere verlesene Werke Hoffmanns finden Sie bei LibriVox. In dieser digitalen Bibliothek mit gemeinfreien Hörbüchern, eingelesen von Freiwilligen, gibt es bisher etwa 15 Lesungen von Hoffmanns Werken – hauptsächlich in Deutsch und Englisch – u.a. „Die Abenteuer der Sylvester-Nacht“, „Die Elixiere des Teufels“, „Das Fräulein von Scuderi“, „Der goldne Topf“, „Klein Zaches, genannt Zinnober“, „Meister Floh“, „Nachtstücke“, „Prinzessin Brambilla“, „Ritter Gluck“ oder „Der Sandmann“. Dem „Sandmann“ können sie außerdem als Reclam-Hörbuch-Version, gesprochen von Hans Sigl (dem „Bergdoktor“ höchstpersönlich), auf Spotify lauschen.

Da die gewohnten Ostertage in diesem Jahr mehr oder weniger ausfallen, blickt der eine oder die andere vielleicht schon auf kommende Festtage, die hoffentlich wieder „normal“ stattfinden können. Sie denken schon an Weihnachten? Dann hören Sie doch in unsere kleine Hoffmann-Portal-Weihnachtslesung des Nussknackers rein…

Wir wünschen viel Freude beim Hören und trotz allem schöne Osterfeiertage!

Liebe und Eifersucht. Free Opera Company / Bruno Rauch.

Opernvergnügen auf heimischen Bildschirmen – E.T.A. Hoffmann online Nr. 1

Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach im Brüsseler Opernhaus La Monnaie/ De Munt

„You are safe here. This here is a germfree zone…“ – Mit diesen Worten beginnt die Aufführung Hoffmann’s Erzählungen von Jacques Offenbach im Brüsseler Opernhaus La Monnaie. Diese soll den Auftakt bilden zu einer Reihe von Online-Empfehlungen, die wir Ihnen für die Zeit der „Kontaktlosigkeit“ und der ausfallenden kulturellen Veranstaltungen auf diesem Wege zukommen lassen wollen. Denn die Inszenierung von Krzysztof Warlikowski wurde am 20. Dezember 2019 aufgezeichnet und wird von arte.tv bis zum 18. Mai 2020 kostenfrei zur Verfügung gestellt. Lehnen Sie sich also auf dem heimischen Sofa zurück und lauschen Sie Jacques Offenbach. Unter musikalischer Leitung von Alain Altinoglu führen das Sinfonieorchester und der Chor des Opernhauses, Eric Cutler in der Rolle des Hoffmann und Patricia Petibon als Olympia, Antonia, Giulietta und Stella in 185 Minuten durch die dreigeteilte Handlung. Hoffmann als Regisseur und Protagonist seiner eigenen Geschichte(n), eine Leinwand im Hintergrund, Projektionen, vereinzelt gesprochene Filmdialogfragmente in Englisch, Kostüme und Set der Ausstatterin Małgorzata Szczęśniak im Stil der 1960er Jahre – sind nur einige Besonderheiten dieser Neuinszenierung. Der Regisseur Krzysztof Warlikowski, so Volker Hagedorn in seiner Rezension in DIE ZEIT „holt Hoffmanns Erzählungen, die Oper, über der Jacques Offenbach 1880 starb, auf eine Weise an uns heran und aus der frühen Belle Époque heraus, als wolle er sich und unsere Zeit begreifen […].“

Liebe und Eifersucht bei der Free Opera Company

Auch unsere zweite Empfehlung, die Inszenierung von Liebe und Eifersucht der Free Opera Company, vollführt einen imaginären Zeitsprung. Der Regisseur Bruno Rauch versetzt das Singspiel in drei Akten nach der Komödie La banda y la flor von Pedro Calderón de la Barca, mit der Musik von E.T.A. Hoffmann in die heutige Zeit. Die Inszenierung ist exklusiv und dauerhaft auf dem Hoffmann-Portal zu sehen. Neben der Videoaufzeichnung einer Live-Aufführung finden Sie hier weitere Informationen zur Inszenierung, ein Interview mit dem Intendanten/ Regisseur Bruno Rauch, Hörproben und eine Bildergalerie. Genießen Sie neben der Musik die farbenfrohen Kostüme und lassen damit den Frühling einkehren.

Wir hoffen, wir können damit ein wenig über die fehlenden Theater- & Opernbesuche, Musikveranstaltungen und Lesungen hinwegtrösten. Bleiben Sie gesund und passen Sie gut auf sich und ihre Mitmenschen auf.

Ihr E.T.A. Hoffmann Portal-Team

Stellenausschreibung Softwareentwickler*in (m/w/d) Frontend: Projekt HoPo3

Und noch eine Stellenausschreibung: Dieses Mal sucht das Projektteam E.T.A. Hoffmann Portal eine/n Softwareentwickler*in (m/w/d) Frontend zur Verstärkung für das Projekt HoPo3. Sie haben Interesse? Hier geht’s zur Stellenausschreibung:

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

Am Rande der Nacht – zweimal E.T.A. Hoffmann in der Zeitung Politik & Kultur

Die Dezember/Januarausgabe (12/19; 1/20) der Zeitung Politik & Kultur – Zeitung des Deutschen Kulturrates widmet ihren Thementeil Am Rande der Nacht der Kultur der Dunkelheit. Verschiedenste Aspekte der Nachtseiten des Lebens werden beleuchtet: so beschreibt der Beitrag Das Visualisierungstheater der Wissenschaften die Aufgaben von Planetarien, ein anderer Artikel beschäftigt sich unter dem Titel Verlust der Nacht mit einem Forschungsnetzwerk zur Reduzierung der Lichtverschmutzung.

Natürlich darf das Motiv der „Nacht in der Literatur“ nicht fehlen – und wer eignet sich für eine Untersuchung besser als E.T.A. Hoffmann?

Frau Professor Anne Fleig stellt in einem Interview mit Theresa Brüheim Nachtstücke – Dunkelheit als literarisches Motiv bei E.T.A. Hoffmann vor. Sie legt dar, warum Hoffmann von der Dunkelheit als „unerschöpflicher Raum der Fantasie, voller Geheimnisse, aber auch [als] ein Hort von Schauermärchen und Spukgestalten“ so fasziniert war, welche Einflüsse auf Hoffmanns Begeisterung für die Nacht wirkten und welche Nachwirkungen seine Texte bis heute haben.

Auch ein zweiter Artikel – Alles Interessante ereignet sich im Dunkeln – von Herrn Professor Markus Bernauer behandelt die Umsetzung des Themas „die Nacht in der Literatur“. Markus Bernauer nimmt auch Hoffmann mit in den Blick – diesmal seine Musikästhetik und hierbei die Funktion der Nacht in ihrer Fremdheit als Vermittler zur wirklichen Welt.

Beide Autoren sind dem E.T.A. Hoffmann Portal eng verbunden:

Frau Fleig ist Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität; sie bietet in diesem Semester gemeinsam mit dem Projektteam des E.T.A. Hoffmann Portals eine Lehrveranstaltung zum Thema Romantik im E.T.A. Hoffmann Portal – Texten fürs Web an: die studentischen Beiträge z.B. zu den Verlegern Hoffmanns oder der Technik der Romantik werden im Laufe des Frühjahrs in das Portal eingestellt.

Markus Bernauer ist apl. Professor am Fachgebiet Literaturwissenschaft des Instituts für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte an der TU Berlin sowie Leiter der Jean Paul Edition und Arbeitsstellenleiter des Projekts „Libertinismus in Deutschland um 1800“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; für das Hoffmann-Portal schrieb er einen Beitrag zur Berliner Romantik.

Die Beiträge der Zeitschrift Politik & Kultur – Zeitung des Deutschen Kulturrates können Sie hier als E-Paper (pdf) kostenfrei lesen.

 

 

Stellenausschreibung Projekt HoPo3

Das Projektteam E.T.A. Hoffmann Portal sucht eine wissenschaftliche Projektkraft zur Verstärkung für das dreijährige Projekt HoPo3. Sie haben Interesse? Hier geht’s zur Stellenausschreibung:

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

Abschlusskonferenz HoPo 2 am 28.11.2019

Von Steampunk über Graphic Novel zu Disney – Bericht über die Abschlusskonferenz zum Projekt E.T.A. Hoffmann Portal 2

 

E.T.A. Hoffmann: Karikatur der hochschwangeren Schauspielerin Auguste Stich in ihrer Glanzrolle als Donna Diana (Berlin, November 1819). In: Handzeichnungen E.T.A. Hoffmanns in Faksimilelichtdruck. Herausgegeben von Walter Steffen und Hans von Müller. Berlin 1925.Berlin, November 1819: Ein halbes Jahr nach dem Mord an August von Kotzebue durch den Heidelberger Studenten Sand arbeitet vor allem das Königreich Preußen hart an der Überwachung und Bekämpfung liberaler und nationaler Tendenzen. Zahlreiche Studenten stehen auch in Berlin unter dem Verdacht „revolutionärer Umtriebe“ und werden seit dem Vormonat durch die „Immediat-Untersuchungs-Kommission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen“ befragt. Eines ihrer prominenten Mitglieder ist E.T.A. Hoffmann, der im November 1819 alle Hände voll damit zu tun hat, Studenten zu verhören und Gutachten zu schreiben, in denen er sich vehement für die Unbestechlichkeit der Justiz unter anderem im Falle des bekannten Turnvaters Jahn einsetzt – sehr zum Missfallen des Polizeidirektors Kamptz. Die langwierigen und anstrengenden Verhöre verlangen nach Ausgleich, also setzt sich Hoffmann nach getaner Arbeit ans Klavier und komponiert einen heute nicht mehr erhaltenen Nachtgesang. Bevor er tags darauf zur nächsten Vernehmung eilt, schaut er noch schnell in der Königlich Preußischen Kalender Deputation vorbei, denn dort erscheint diese Tage der Berlinische Taschenkalender auf das Jahr 1820 mit seiner Erzählung „Die Brautwahl“, einem Text mit reichlich Berliner Lokalkolorit und Figuren, die an reale Vorbilder wie Wilhelm Hensel und die Familie Mendelssohn erinnern. Am Abend bietet das Nationaltheater die nötige Erholung, doch auch hier bleibt E.T.A. Hoffmann produktiv, setzt sich nach der Aufführung in die Weinstube Lutter & Wegner und zeichnet aus seinem Gedächtnis eine Karikatur der hochschwangeren Schauspielerin Auguste Stich in ihrer Glanzrolle als Donna Diana, die er im Lokal aufhängen lässt, wo sie bis zum Zweiten Weltkrieg an den unermüdlichen malenden und musizierenden Dichterjuristen erinnert.

 

Untersuchung gegen Professor Friedrich Ludwig Jahn – Akte der Ministerial-Untersuchungskommission: 14. Juli 1819 - 29. September 1819. Geheimes Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz: I. HA Rep. 77 Ministerium des Innern, Tit. 22 Lit. J Nr. 2.

So ungefähr kann man sich Hoffmanns Leben im November 1819 vorstellen. Genau zweihundert Jahre später, im November 2019, werden die Akten der Immediat-Untersuchungs-Kommission digitalisiert und im E.T.A. Hoffmann Portal der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (SBB-PK) online gestellt. Interessierte können sich seitdem komfortabel selbst ein Bild von diesen und anderen juristischen Geschehnissen um E.T.A. Hoffmann machen – und zwar ohne einen persönlichen Besuch im Geheimen Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz (GStA), das die Originalakten bewahrt.

Untersuchung gegen Professor Friedrich Ludwig Jahn – Akte der Ministerial-Untersuchungskommission: 27. Sepember 1819 - 20. Dezember 1819. Geheimes Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz: I. HA Rep. 77 Ministerium des Innern, Tit. 23 Spez. Lit. J Nr. 1

Die Digitalisierung der Akten ist Teil des dreijährigen Projekts E.T.A. Hoffmann Portal 2, das auf ein erstes einjähriges Projekt zum Aufbau der Infrastruktur und zur Entwicklung der ersten Portalinhalte folgte, und dessen erfolgreicher Abschluss nun am 28. November 2019 mit einer Konferenz in der Staatsbibliothek gefeiert wurde.

Dr. Ulrich Kober vom GStA erläuterte dem Publikum in seinem Tagungsbeitrag die Aufgaben dieses überwiegend historischen Archivs des Brandenburg-Preußischen Staates und stellte die insgesamt 19 Akten vor, in denen Schriftstücke von und über E.T.A. Hoffmann enthalten sind. Neben den Unterlagen der Immediat-Untersuchungskommission finden sich hier auch Entwurf und Reinschrift der Urkunde zur Bestallung Hoffmanns zum Regierungsrat im südpreußischen Posen von 1802 und Akten zur Beschlagnahmung seiner späten Erzählung „Meister Floh“ (1822), in der er den Polizeidirektor Kamptz verunglimpfend darstellt. Auch ein achtseitiger Probeabdruck und die zensierten Manuskriptseiten haben sich in den Akten erhalten.

 

Dr. Ulrich Kober, Geheimes Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz

 

Ziel des Projektes war es aber nicht nur, die juristische Karriere Hoffmanns zu beleuchten, sondern die ganze Vielfalt seiner Begabungen und Aktivitäten für Forschung und Kultur zu bewahren und zugänglich zu machen, wie sie sich beispielsweise auch im November 1819 zeigten und in unzähligen Rezeptionsformen weiterlebten. Im Rahmen des Projekts wurden deshalb alle rechtefreien Materialien von und über E.T.A. Hoffmann sowie zu seinen Einflüssen und seiner Rezeption aus dem Bestand der Staatsbibliothek und darüber hinaus digitalisiert. Dafür konnte neben dem GStA auch die Wienbibliothek für eine Kooperation gewonnen werden, die eine der drei erhaltenen Erstausgaben der erotischen Erzählung „Schwester Monika“ (1815) besitzt.

Anonymus: Schwester Monika erzählt und erfährt: eine erotisch-psychisch-physisch-philantropisch-philantropinische Urkunde des säkularisierten Klosters X. in S... [Posen]: [Kühn] 1815. Wienbibliothek im Rathaus: Secr-A 108.

Längere Zeit wurde sie von der Forschung fälschlicherweise E.T.A. Hoffmann zugeschrieben. Prof. Dr. Markus Bernauer von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften untersucht das Werk im Rahmen seines Forschungsprojekts zum Libertinismus in der deutschen Literatur um 1800 und berichtete über seine Erkenntnisse zur Autorschaft, nach denen er eher ein Verfasserkollektiv aus dem böhmischen Raum vermutet, das im Stile Jean Pauls schreibt. Klare Vorbilder der augenscheinlich belesenen Verfasser lassen sich in der libertinen Literatur Frankreichs aus dem 18. Jahrhundert finden.

 

Prof. Dr. Markus Bernauer, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

 

E.T.A. Hoffmann Portal: Startseite Hoffmann digital

Etwa die Hälfte der insgesamt rund 2.500 geplanten Objekte ist inzwischen bereits in Hoffmann digital verfügbar, die zweite Hälfte folgt sukzessive in den nächsten Monaten. Neben Hoffmanns eigenen Werken wurden auch seine Lesestoffe aufgenommen, d.h. Werke und Autoren, von denen man weiß oder mit größerer Sicherheit annehmen kann, dass Hoffmann sie kannte und gelesen hat. Ergänzt wurden diese Materialien noch möglichst umfänglich um Verlagsproduktionen von Carl Friedrich Kunz und Julius Eduard Hitzig, zwei befreundeten Verlegern Hoffmanns, an deren Lektürestoffen er sich gerne bedient hat, sowie um  alle wesentlichen Publikationen von Personen aus seinem Umfeld, darunter zum Beispiel Carl Wilhelm Salice-Contessa oder Karl August Varnhagen von Ense.

Einen weiteren Baustein bilden biografische Arbeiten und frühe Forschungsliteratur, zum Teil auch Werke bis zum Erscheinungsjahr 1965, wenn sie im Buchhandel vergriffen sind und entsprechende Lizenzen erworben werden konnten. Und schließlich wurde auch die literarische, künstlerische, musikalische und naturwissenschaftliche Rezeption berücksichtigt, so finden sich im E.T.A. Hoffmann Portal beispielsweise auch digitalisierte Werke von Guy de Maupassant, Edgar Allan Poe, Gustav Meyrink, Walter Scott, Charles Nodier, Nikolai Gogol, Heinrich von Kleist und Angela Carter.

Ein zweiter Schwerpunkt des Projekts war der Ausbau der Textbeiträge und interaktiven Elemente im Portal. Inzwischen zählen mehr als fünfzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu den ehrenamtlichen Autoren des Portals. Ihre einführenden Forschungsartikel zu unterschiedlichsten Themen werden besonders intensiv genutzt und tragen deshalb wesentlich zur Attraktivität des Webangebots bei. Im vergangenen Jahr bereicherten beispielsweise der Neurologe Roland Schiffter mit seinen Beiträgen  zur romantischen Medizin und zu Hoffmanns Krankheit und die Literaturwissenschaftlerin Polly Dickson mit einem Artikel zur Hoffmann-Rezeption in Großbritannien das Portal. In Kooperation mit Cinegraph und mit freundlicher Unterstützung von Hans-Michael Bock konnte zudem eine umfassende Filmografie mit Daten zu rund fünfzig internationalen filmischen Adaptionen online gestellt werden.

 

Unveröffentlichter Entwurf zur Graphic Novel "Das Fräulein von Scuderie : Erzählung aus dem Zeitalter Ludwig des Vierzehnten" von E.T.A. Hoffmann. Nouvelliert und illuminiert von Alexandra Kardinar & Volker Schlecht. © Prof. Volker Schlecht

Unveröffentlichter Entwurf © Prof. Volker Schlecht

E.T.A. Hoffmann Portal: Filmografie

 

 

Prof. Volker Schlecht, University of Applied Sciences Europe

Besonders vielfältig ist die moderne Hoffmann-Rezeption, denn E.T.A. Hoffmann erlebt eine ungebrochene internationale Aufmerksamkeit, die gerade in den letzten Jahren über verschiedene Kultur- und Wissenschaftsbereiche hinweg beobachtet werden kann. Einen sehr kleinen Ausschnitt dieser aktuellen Beschäftigung mit E.T.A. Hoffmann zeigten drei Konferenzbeiträge aus den Bereichen Comic, Oper und Film. Prof. Volker Schlecht von der University of Applied Sciences Europe stellte einige aktuelle Comicadaptionen von Hoffmanns Erzählungen vor und gab Einblicke in den assoziativen Entstehungsprozess seiner in Zusammenarbeit mit Alexandra Kardinar entstandenen Graphic Novel zu „Das Fräulein von Scuderi“. Unter dem Label Drushba Pankow erschaffen sie Illustrationen und Buchgestaltungen, die sich durch Verbindungen von analogen Zeichnungen und Computergrafiken auszeichnen. Hoffmannianer erkennen im unverwechselbaren Stil der beiden Künstler Verfremdungen und Groteskes, kurz: das Hoffmanneske.

 

Dr. Stefanie Junges, Ruhr-Universität Bochum

Ähnlich viel Groteskes zeigte auch der Vortrag von Dr. Stefanie Junges von der Ruhr-Universität Bochum, die das musikalische Oeuvre der Berliner Rockband Coppelius analysierte. Nicht nur der Bandname, auch Auftritt und inhaltliche Motive sowie ganze Konzeptalben weisen ausdrücklich auf E.T.A. Hoffmann als Vorbild. Höhepunkt der konsequenten Beschäftigung mit Hoffmann ist die Steampunk-Oper Klein Zaches genannt Zinnober, die in Kooperation mit der Neuen Philharmonie Westfalen entstand und am 14. November 2014 im Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen uraufgeführt wurde. Zudem gab Junges einen kurzen Einblick in Robert Wilsons Inszenierung des Sandmanns, die aktuell am Schauspielhaus Düsseldorf zu sehen ist: Auch der Lichtkünstler Wilson schafft durch Ton-, Farb- und Lichtgestaltung und die Musik der britischen Rocksängerin Anna Calvi ein völlig neues Hoffmann-Erlebnis.

 

Dr. Annett Werner-Burgmann, Humboldt-Universität zu Berlin

Für harmonischere Bilder sorgte schließlich Dr. Annett Werner-Burgmann in ihrem Beitrag zu aktuellen Filmadaptionen von „Nussknacker und Mausekönig“. Die sehr unterschiedlichen Umsetzungen eines Barbie-Animationsfilms, einer ARD-Fernsehproduktion und einer Disney-Kinobearbeitung zeigten einerseits die Bandbreite der Interpretationsmöglichkeiten, andererseits die verbindenden Elemente einer zeitgemäßen Adaption: So ist die Protagonistin Marie/Clara in allen drei Bearbeitungen kein siebenjähriges Mädchen mehr, das auf ihre Rolle als umsorgende Frau und Mutter vorbereitet wird, sondern eine selbstbewusste junge Erwachsene ohne ein festgelegtes Rollenbild. Sie soll sich daran messen, was eine anständige „Person“ und eben nicht eine anständige „Frau“ ist, einige männliche Figuren werden durch weibliche Charaktere ersetzt und die Besetzung erfolgt international mit Schauspielern unterschiedlicher Hautfarben. Freilich folgen die Bearbeitungen nur lose der Vorlage, die häufig eher Tschaikowskis Ballett als Hoffmanns Erzählung ist. Trotzdem zeigen die vorgestellten Filme die steigende Attraktivität des Hoffmannschen Stoffs.

 

Dass diese Attraktivität bis in die Schulbildung reicht, zeigt die regelmäßige Wahl von Werken E.T.A. Hoffmanns zum Abiturprüfungsstoff und zur Lektüreempfehlung in der Mittelstufe. Um dieser Nachfrage mit einem passenden Angebot zu begegnen, entwickelte das Team E.T.A. Hoffmann Portal im Rahmen des Projekts in Kooperation mit dem Albert Einstein-Gymnasium Berlin-Neukölln drei neue Lehreinheiten zur Erzählung „Der Sandmann“. So wurden Unterrichtsbausteine für die Themenkomplexe „Augenmotiv“, „Automatenmotiv“ und „Sandmann-Ausgaben“ erstellt, die entweder als komplette Lehreinheiten in jeweils einer Doppelstunde umgesetzt oder als einzelne Module in den Unterricht integriert werden können. Je nach technischer Ausstattung der Klasse können die Lehreinheiten unter Einbeziehung des E.T.A. Hoffmann Portals am Smartboard/per Beamer oder an einzelnen Schüler-PCs durchgeführt werden oder auch ganz ohne technische Unterstützung. Für die komfortable Offline-Nutzung stehen übersichtliche Arbeitsblätter zum Download bereit. Mit diesem Angebot soll einerseits ausgelotet werden, wie bibliothekarische Sammlungen in den schulischen Unterricht integriert und somit schon früh eine Bindung zur Institution Bibliothek geschaffen werden können, und andererseits die auch bei Schülern bereits vorherrschende digitale Informationsbeschaffung sinnvoll im Unterricht angewendet werden, um Lehrkräfte und Lernende an die Arbeit mit qualitativ hochwertigen digitalen Inhalten im Internet heranzuführen.

 

Studierende des Hoffmann-Seminars vom Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität

In Kooperationen mit der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin hat das Projektteam im Sommersemester 2019 zudem zwei Seminare angeboten, um den Studierenden zum einen den Künstler E.T.A. Hoffmann und seine Rezeption bzw. das romantische Berlin und die romantischen Wissenschaften näherzubringen, und sie zum anderen an das recht neue Format von Onlinepublikationen in wissenschaftlichen Kulturportalen heranzuführen. So lernten die Studierenden, wie man Texte fürs Web formuliert und gestaltet, welche speziellen Anforderungen wie Visualisierungen, Lesehilfen und Verlinkungen zu berücksichtigen sind und wie man mit der entsprechenden Software umgeht. Die besten Beiträge der Studierenden wurden inzwischen im E.T.A. Hoffmann Portal veröffentlicht.

 

Folgeprojekt E.T.A. Hoffmann Portal 3 gestartet

Mit dem Ende des Jahres 2019 endete nun auch offiziell das Projekt E.T.A. Hoffmann Portal 2. Aber dieses Ende ist zugleich ein neuer Anfang: Im Januar 2020 startete bereits ein drittes, wiederum dreijähriges Projekt mit zwei ganz unterschiedlichen Schwerpunkten: der Erstellung einer Online-Bibliografie und der Organisation einer großen Ausstellung zum 200. Todestag E.T.A. Hoffmanns im Jahr 2022. Aktuelle Informationen zu diesem Projekt erhalten Sie auf etahoffmann.net.

Klein Zaches feiert sein 200. Jubiläum in Plovdiv – Konferenzbericht

Gastbeitrag von Iliana Eldarova (Universität Sofia) und Iliya Tochev (Universität Plovdiv)

2019 ist das 200. Jubiläumsjahr der Entstehung einer der markantesten literarischen Figuren, die von der stark kreativen Phantasie des deutschen Romantikers E.T.A. Hoffmann geschaffen wurde – im Jahr 1819 erschien das Kunstmärchen Klein Zaches genannt Zinnober. Wie kann der „kaum zwei Spannen“ hohe, missgestaltete Zaches aus Hoffmanns Novelle den Blick vieler Forscher und Künstler heute noch auf sich lenken? Weshalb ist das Bild von Zinnober – das Bild des Betrügers, der auf eine wundersame Weise durch die Zuschreibung fremder Verdienste auf sich und seiner eigenen Fehler auf die anderen im Leben erfolgt – heutzutage so fruchtbar für Diskussionen und Interpretationen?

Vom 23. bis 26. Oktober 2019 fand im Haus der Wissenschaftler in der Altstadt Plovdiv das internationale und interdisziplinäre Forum „E.T.A. Hoffmann in Bulgarien“ statt. Das Ereignis war dem 200. Jahrestag der Entstehung der Novelle „Klein Zaches genannt Zinnober“ gewidmet. Im Laufe der Diskussion wurde nach und nach deutlich, wie und warum dieses Werk in Bulgarien eine besonders aktive Rezeption erfährt. Neben wissenschaftlichen Vorträgen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern verschiedener Universitäten standen auch kulturelle Veranstaltungen auf dem Programm – eine Theaterinszenierung, eine Filmvorführung und eine Ausstellung. Ganz im Geiste Hoffmanns wurden die einzelnen Sitzungen der Konferenz als Vigilien bezeichnet – eine Anspielung auf die Novelle Der goldene Topf, und das Programm selbst folgte seiner eigenen „Fabel“.

Initiator und Organisator des Projektes ist der Lehrstuhl für Literaturgeschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Plovdiv „Paisii Hilendarski“. Weitere Organisatoren sind die E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft – Bamberg, Deutschland; der Bulgarische Wissenschaftlerverband (Union of Scientists in Bulgaria, Zweigstelle Plovdiv) und die Nationalbibliothek „Ivan Vasov“ – Plovdiv, Bulgarien. Partner des Projektes sind das E.T.A. Hoffmann Portal und -Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin, die Staatsbibliothek Bamberg, der Lehrstuhl für Theaterwissenschaft an der Nationalakademie für Theater- und Filmkunst „Krastjo Sarafow“ sowie der Nationalverlag „Az-buki“. Das Projekt fand statt auch dank der Unterstützung der Stadt Plovdiv, des Goethe-Instituts Bulgarien und des Nationalen Wissenschaftsfonds des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft. Das Forum „E.T.A. Hoffmann in Bulgarien“ war Teil des Programms Plovdiv 2019 – Europäische Kulturhauptstadt.

Eröffnung

Die Konferenz wurde im Haus der Wissenschaftler eröffnet. Grußworte sprachen Dr. Mariana Tcholakova (Honorarkonsulin der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Plovdiv), Dr. Christina Schmitz (Projektleitung des E.T.A. Hoffmann Portals, Staatsbibliothek zu Berlin), Prof. Dr. Nevena Mileva (Vize-Rektorin der Universität Plovdiv „Paisii Hilendarski“) und Dimitar Minev (Direktor der Nationalbibliothek „Ivan Vasov“, Plovdiv). Ein Grußwort von Prof. Dr. Bettina Wagner (Präsidentin der E.T.A. Hoffmann Gesellschaft und Direktorin der Staatsbibliothek Bamberg) wurde vorgelesen.

Erste Vigilie

Eröffnet wurde die Konferenz mit einem Vortrag von Prof. Dr. Bernhard Schemmel (Geschäftsführer der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft), den der Promovend Iliya Tochev (Universität Plovdiv) in bulgarischer Übersetzung vortrug. In seinem Beitrag Das Zauberspiel „Klein Zaches“ nach E.T.A. Hoffmann konzentriert sich Prof. Dr. Schemmel auf das bisher unbekannte Zauberspiel für Kinder Klein Zaches von K. Thalburg und weist „auf die Ähnlichkeiten und die Unterschiede zwischen Hoffmanns Werk und der späteren Interpretation“ hin. Darauf folgte Prof. Dr. Anna Topaldjikova (Nationalakademie für Theater und Film „Krastyo Sarafow“) mit ihrem Beitrag zum Thema Hoffmann’s Phantastic visions – provocation to the contemporary dramaturgy and theatre. Aus der Perspektive der Theaterwissenschaft näherte sich die Autorin der doppelten Natur von Hoffmanns´ Leben und fokussiert im Text auf jene Motive, die dramaturgisch und theatralisch umgesetzt wurden. Der Beitrag von Prof. Dr. Cleo Protohristova (Universität Plovdiv), Temporal Designations in E. T. A. Hoffmann’s Works – Idiosyncrasies and Subversion, legte den Fokus auf die Funktion der Zeitangaben in Hoffmanns Werk und auf seine Neigung, die Handlung mit bestimmten Feiertagen und Tagesstunden zu verknüpfen. Dabei bot sie eine Hypothese für die Rationalisierung dieser „künstlerischen Launen“ durch systematische Kontextualisierungen. Assoc. Prof. Dr. Dimitar Kambourov (Universität Sofia) zeigte in seinem Vortrag E. T. Amadeus Between Bonaparte, Beethoven, and Cinnabar: Romantic Revolution, Collective Psychosis, Popular Culture, and Democratic Discrimination eine andere Perspektive auf Hoffmanns Werk und zog Parallelen zwischen dem Autor und seinem Protagonisten, wobei er Impulse zum Konflikt zwischen Biographie, Normativität, Kreativität und Skeptizismus setzte und von einem „suiziden Modernismus“ sprach, der eine Alternative zu den „Klassikern“ (Beethoven, Tchaikovsky, Delibes, etc.) und zur Dunkelheit (E.T.A. Hoffmann selbst) biete.

Während der Diskussion wurde mehrfach deutlich, wie unterschiedlich die Interpretationen und Thesen zu Hoffmann und seinem Werk sein können: Ob die romantische Ironie dabei helfen könnte, der behaupteten (klein)bürgerlichen Weltanschauung zu entgehen; inwieweit Hoffmann tatsächlich in der Lage war, eine solche Ironie zu manifestieren; ob er ein versierter und vollwertiger Autor war, der Künstler und Wissenschaftler heute immer noch inspiriert, oder im Gegenteil – ob das Interesse an ihm und die zahlreichen Versuche zu neuen Interpretationen genau ein Ergebnis davon sind, dass es sich um ein potenzielles Talent handelt, das sich nicht völlig entfalten konnte, und um einen Schriftsteller, dessen Werk einer Fortsetzung bedarf? Diese und andere während der Diskussion aufgeworfenen Fragen beschäftigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums „E.T.A. Hoffmann in Bulgarien“ auch nach der ersten Vigilie.

Am Abend führte die unabhängige Theatergruppe Metheor unter Leitung der Regisseurin Ani Vasseva das zweisprachige Stück Hoffmann im Theatersaal der Universität Plovdiv auf. Die Schauspieler Leonid Yovchev und Stefan Milkov präsentierten darin eine künstlerische Interpretation von Hoffmanns Leben und Werk, indem sie das Publikum in die für Hoffmann typischen Gefühle von Albtraum, Angst und Unruhe versetzten.

Zweite Vigilie

Der zweite Konferenztag begann mit Assoc. Prof. Dr. Darin Tenev (Universität Sofia) und seinem Vortrag Hoffmann and the Cats of Deconstruction, in welchem er die Rezeption Hoffmanns in Frankreich durch verschiedene Essays von Sarah Kofman untersuchte, unter anderem am Beispiel ihrer Interpretation des Kater Murr. Tenev beleuchtete auch neue Diskurse aus den „Animal Studies“ und untersuchte dabei die Klassifikationsspezifika des Doppelgängerbildes. Dr. Mladen Vlashki (Universität Plovdiv) bot in seinem Vortrag E.T.A Hoffmann, Gogol und Kafka in Prag – Anna Seghers literarische Antwort auf einige politische Fragen eine Analyse von Anna Seghers´ Erzählung Die Reisebegegnung (1972), in der sich die drei Autoren kurz nach dem Ersten Weltkrieg in einem Prager Café treffen und über ihre Werke diskutieren. Dabei wurden die Reflexionen der Autorin über die politische Dynamik in Europa, die die Theorien des Realismus in der Literatur des Kalten Krieges beeinflussen, untersucht. In ihrem Beitrag zum Thema Hoffmann, Desire and The Possibility of Impossible unternahm Dr. Ani Vasseva (Metheor; NBU) den Versuch, Zaches mit den Figuren Anselmus (Der goldene Topf), Nathanael (Der Sandmann) und Balthazar (Klein Zaches) zu vergleichen. Dabei warf sie die Frage auf, ob Zaches nicht die Mängel anderer widerspiegele – in diesem Fall könne sein Bild als Satire gegen die Massenpsychose interpretiert werden. In der Folgediskussion wurden unter anderem verschiedene Überlegungen zur Bedeutung der Übersetzung der Werke Hoffmanns ins Bulgarische und ihren Einfluss auf die Rezeption erörtert.

Dritte Vigilie

Assoc. Prof. Dr. Ognyan Kovachev (Universität Sofia) präsentierte in seinem Vortrag The Anxiety of Kinship: E. T. A. Hoffmann and the British Literary Gothic Context einen Vergleich zwischen dem Roman Die Elixiere des Teufels und der 1796 veröffentlichten Gothic Novel Der Mönch von Matthew Gregory Lewis, und somit zwischen der Romantik und der Britischen Neugotik. Er zog zur Diskussion englische und bulgarische Übersetzungen sowie die Verfilmung Die Elixire (1976) heran. Assoc. Prof. Dr. Boris Minkov sprach über Die Rezeption des Romans „Die Elixiere des Teufels“ in der Übersetzung von Panajot Tschinkov von 1929. Seiner Ansicht nach schaffe die bulgarische Übersetzung ein Bild des Werkes, das auf das Modell der Gothic Novel zurückgeführt werden kann – ein von Hoffmann parodiertes Modell. In seinem Beitrag zeigte er, dass Hoffmanns feste Kategorisierung als „Schwarzromantiker“ im bulgarischen Kulturraum bereits vor 1944 geschehen ist. Nach der Diskussion stellte Dr. Christina Schmitz in ihrem Vortrag Eine ganze E.T.A. Hoffmann-Welt an der Staatsbibliothek zu Berlin das Webportal und E.T.A. Hoffmann-Archiv der Staatsbibliothek vor.

Vierte Vigilie

Im Vortrag Die Retrotopie als ideologisches Instrument der deutschen Romantik in Е.Т.А. Hoffmanns „Klein Zaches, genannt Zinnober“ analysierte Assoc. Prof. Dr. Maria Endreva (Universität Sofia) das Verhältnis von Ideologie und Utopie, Konservatismus und Marxismus. Sie stellt die These auf, dass unsere Zeit wie die Romantik dazu neigt, der Realität durch Verwendung irrationaler Ideen und Praktiken auszuweichen. Assoc. Prof. Vitana Kostadinova (Universität Plovdiv) konzentrierte sich in ihrem Vortrag Literary Parallels: E.T.A. Hoffmann and the English Romantics auf die literarischen Parallelen zwischen Hoffmann (Der Sandmann) und den englischen Romantikern Coleridge (The Rime of the Ancient Mariner) und Mary Shelley (Frankenstein) sowie der gelegentlichen Referenz zu Byron.

Ausstellung

Am Nachmittag wurde in der Nationalbibliothek „Ivan Vazov“ die Ausstellung E.T.A. Hoffmann in Bulgarien eröffnet. Die Kuratorinnen Assoc. Prof. Dr. Svetla Cherpokova (Universität Plovdiv) und Promotionsstudentin Iliana Eldarova (Universität Sofia) führten in die Ausstellung ein. Zu sehen waren alle bulgarischen Ausgaben von Hoffmanns Werken, von der frühesten bis zur neuesten Ausgabe (Das unbekannte Kind, 2019), sowie Reproduktionen von Autographen und anderen unikalen Materialien aus dem Bestand der Bamberger Staatsbibliothek. Die Objekte wurden speziell für Ausstellungszwecke im Jahr 2005/2006 hergestellt und sind sehr geschickte Kopien von Zeichnungen, aber auch Handschriften, Briefen, der Todesanzeige des Kater Murr sowie wertvollen Erstausgaben literarischer bzw. musikalischer Art. Die Reproduktionen sind in acht Themen aufgeteilt: 1. Porträts E.T.A. Hoffmanns, 2. Lebensstationen Königsberg – Bamberg – Berlin, 3. Musikalien E.T.A. Hoffmanns, 4. Undine, 5. Der Sandmann, 6. Meister Martin der Küfner und seine Gesellen, 7. Fantasiestücke bis Kater Murr, 8. Meister Floh.

Am Ende des zweiten Konferenztages wurde im Kulturhaus „Boris Hristov“ eine Verfilmung des von Zaches inspirierten Theaterstücks Phantastereien des bulgarischen Regisseurs Tedi Moskov gezeigt. Für das Publikum war es besonders interessant, wie die vertrauten Passagen des Romans auf eine neue Weise funktionieren und in einen anderen Kontext gestellt werden. So übte das Stück auch Kritik am sozialistischen Regime, das zur Uraufführung Ende der 1980er Jahre noch an der Macht war. Der Regisseur selbst beteiligte sich in der Diskussion und sprach über die nicht ganz ungefährliche Entstehungsgeschichte seiner Inszenierung.

Fünfte Vigilie

Am letzten Tag der Konferenz – in der fünften Vigilie – erörterte Assist. Prof. Dr. Ivan Popov (Universität Sofia) in seinem Vortrag Der Einfluss der Trivialliteratur aus dem 18. und dem Anfang des 19. Jahrhunderts auf E.T.A. Hoffmanns Werk an verschiedenen Beispielen (u.a. Elixiere des Teufels), dass das Werk Hoffmanns Züge der Trivialliteratur (v.a. des Schauerromans) trägt, und stellte sich dabei die Frage, wie Hoffmann durch die Mittel der populären Literatur „spezifisch“ romantische Ziele verwirklicht. Assist. Prof. Dr. Elitsa Dubarova („Prof. Dr. Asen Zlatarov“ Universität Burgas) beschäftigte sich in ihrem Beitrag Techniques of awakening. Observations on the narrative and theoretical dimensions of optics in the works of Hoffmann and Musil (“The corner window” and “Binoculars”) mit einem Vergleich zwischen Hoffmanns Erzählung Des Vetters Eckfenster und Robert Musils Essay Triëdere, wobei sie die Texte in den Kontext der technischen Entwicklung einerseits und der ästhetischen Umkehrung andererseits stellte.

Sechste Vigilie

Assist. Prof. Dr. Laska Laskova (Universität Sofia) hob in ihrem Vortrag zum Thema The Golden Pot: A Modern Fairytale of Tenses. Grammar Notes die manchmal übersehene Verbindung zwischen Literaturwissenschaft und Linguistik hervor. Sie untersuchte die Hypothese, dass sich Differenz und Zwiespaltung im Kunstmärchen Der goldene Topf auf der grammatischen Ebene widerspiegeln und zwar durch den Wechsel zwischen verschiedenen narrativen Systemen. Assoc. Prof. Dr. Svetla Cherpokova (Universität Plovdiv) skizzierte in ihrem Vortrag „Klein Zaches, genannt Zinnober“ – außerliterarische Verwendungen die Theater- und Filminterpretationen von Hoffmanns Werk in Bulgarien zwischen 1989 und 2010, darunter das Stück Phantastereien von Tedi Moskov und der Film Zaches (2010) des bulgarischen Regisseurs Anri Kulev, dessen Vorführung auch Teil des Konferenzprogramms war. Die Autorin beschäftigte sich mit der Frage, warum alle filmischen Bearbeitungen in diesem Zeitraum auf Klein Zaches, genannt Zinnober fußen. Somit wurde ein Überblick über Hoffmanns Rezeption in Bulgarien gegeben – zunächst durch Übersetzungen und später durch Interpretationen im Bereich anderer Künste. Hoffmanns Rezeption in Bulgarien wurde als Teil des Transferprozesses von deutscher Kultur nach Bulgarien angesehen, seine Aktualität wurde auch in politisch-gesellschaftliche Kontexte gestellt.

Siebte Vigilie

In der letzten, siebten Vigilie hatten junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Gelegenheit, ihre Arbeiten vorzustellen. Die Promotionsstudentin Tanya Bedavadzhieva (Universität Plovdiv) sprach über Alchemie und ihre Verwendung in Hoffmans Texten – Alchemical symbols and motifs in Hoffman’s tales. Der Promotionsstudent Iliya Tochev (Universität Plovdiv) untersuchte in seinem Beitrag Betrachtungen über die Doppelgängerfigur in einigen Werken von Knut Hamsun und E.T.A. Hoffmann durch einen typologischen Vergleich die Motive des Doppelgängers, der Spaltung und Verdoppelung in Hoffmans Sandmann und Knut Hamsuns Roman Mysterien. Schließlich skizzierte die Masterstudentin Elena Mincheva (Universität Plovdiv) in ihrem Beitrag Variations on the Image of Italy in Two Novellas by Е. Т. А. Hoffmann die Karneval- und maskengeprägte Italienvorstellung Hoffmanns in den Novellen Die Abenteuer der Sylvester-Nacht und Prinzessin Brambilla sowie die Rolle des mythologischen Landes Udargarten.

„Zaches heute?“

Es folgte eine Diskussion unter Beteiligung von Studierenden der Universität Plovdiv zu Hoffmanns kontroversem Leben und Werk sowie zu aktuellen Formen der Rezeption. Zum Abschluss der dreitägigen Vigilien wurde Anri Kulevs Film Zaches, die neueste Interpretation der Novelle (2010), im Haus der Kultur „Boris Hristov“ vorgeführt. Dazu sprach der Regisseur einführende Worte und stellte sich anschließend den Fragen des Publikums.

Die zahlreichen Interpretationen, die im Rahmen der Konferenz beleuchtet wurden, sind ein Beleg dafür, dass die Figur des „Klein Zaches“ bis heute relevant ist und wiederkehrende, aber auch neue, konkretere inhaltgebende Beispiele für seine Präsenz zu beobachten sind. Das macht ihn zweifellos zu einem der ewigen Bilder in der Weltliteratur.

Initiator und Organisator des Projektes ist der Lehrstuhl für Literaturgeschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Plovdiv „Paisii Hilendarski“. Weitere Organisatoren sind die E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft – Bamberg, Deutschland; der Bulgarische Wissenschaftlerverband (Union of Scientists in Bulgaria, Zweigstelle Plovdiv), die Nationalbibliothek „Ivan Vasov“ – Plovdiv, Bulgarien. Partner des Projektes sind das E.T.A.-Hoffmann-Portal und E.T.A.-Hoffmann-Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin, die Staatsbibliothek Bamberg, der Lehrstuhl für Theaterwissenschaft an der Nationalakademie für Theater- und Filmkunst „Krastjo Sarafow“, der Nationalverlag „Az-buki“. Das Projekt findet statt auch dank der Unterstützung der Stadt Plovdiv, des Goethe-Instituts Bulgarien und des Nationalen Wissenschaftsfonds des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft. Das Forum „E.T.A. Hoffmann in Bulgarien“ fand im Rahmen des Programms Plovdiv 2019 – Europäische Kulturhauptstadt.