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Online-Angebote des Bamberger E.T.A. Hoffmann-Theaters

In diesem Juni sollte eigentlich eine Inszenierung von Hoffmanns berühmtem Sandmann am E.T.A. Hoffmann-Theater Bamberg gezeigt werden. Doch leider kam das Coronavirus dazwischen und machte dem Theater einen Strich durch die Rechnung.

Kurzerhand plante das Theater um und versorgte die enttäuschten Theaterliebhaber:innen mit Online-Inhalten. Zum Beispiel startete das neue Format ETA@HOME, in dem die hauseigenen Schauspieler:innen in Videobeiträgen zu sehen und in Lesungen zu hören sind. Dort findet man nun auch Hoffmanns Erzählung Der Sandmann, gelesen in fünf Teilen von Schauspieler Daniel Dietrich. Das Ganze ist natürlich kostenlos, hier auf der Plattform Soundcloud zugänglich.

Wer sich dann doch eher nach etwas Visuellem sehnt, kann die veröffentlichte Aufzeichnung der Elixiere des Teufels von 2015/16 anschauen. Verantwortlich ist Hannes Weiler, dessen Inszenierung die Theaterzeitschrift Die deutsche Bühne als Beste Regie-Arbeit der Spielzeit 15/16 auszeichnete.

Auch das Theaterportal nachtkritik lobte den Regisseur für seine Arbeit: „Geschickt hat er (Hannes Weiler) den höchst zeitgenössischen Kern des 200 Jahre alten Materials freigelegt und erzählt die Posse einer paranoid-hysterischen Gesellschaft, in der das Individuum pathologisch überfordert ist. Aus einem schwarzromantischen Text wird so ein grellbuntes Spektakel.“

Weitere spannende Beiträge, Lesungen und sogar schon den neuen Spielplan für 2020/21 sind auf der Webseite des E.T.A Hoffmann-Theaters zu finden. Viel Spaß beim Entdecken wünscht das E.T.A. Hoffmann Portal!

Übergabe des Briefes (v.links) Jörg Petzel, (Vizepräsident der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft), Ursula Jäcker, Dr. Dr. Bernd Hesse, Prof. Dr. Everardus Overgauuw

Dauerleihgabe eines Hoffmann-Briefes

Wegen Corona verspätet – aber sehnsüchtig erwartet – übergab am 3. Juni der Hoffmann-Forscher und Sammler Dr. Dr. Bernd Hesse an die Koordinatorin des E.T.A. Hoffmann Archivs, Ursula Jäcker, und den Leiter der Handschriftenabteilung, Herrn Prof. Dr. Everardus Overgaauw, ein Hoffmann Autograph als Dauerleihgabe; das Autograph war im März 2020 beim Berliner Auktionshaus Stargardt versteigert worden. Der Brief ist mit Umschlag erhalten, er umfasst eine Seite im Quartformat und ist schwach gebräunt.
Der Inhalt lautet:

„So eben bin ich mit den Vignetten beschäftigt, die Sie Morgen fix und fertig erhalten, damit, wenn, wie Freund Hitzig meint, es noch möglich sein sollte das Werkchen wenigstens für und Rücksichts Berlin erscheinen zu lassen, meiner Seits Alles geschehen ist. Um aber das mir entfallene Costum des kleinen Puppedenzke und des Schalks von Brabant nachzusehen bitte ich mir das Fouquésche Märchen, oder wenigstens nur den Passus wo Puppedenzke, Fritz und der Schalk von Brabant auf das weiße Roß steigen gütigst zuzusenden.

Hoffmnn 14 Novbr 16“

 

Brief (Hoffmnn 14 Novbr 16“)

Brief

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Brief schrieb Hoffmann an seinen Berliner Verleger Georg Reimer. Er kündigte die Fertigstellung der Titel- und Schlussvignetten an, die er gerade für die Erzählungen des ersten Bands der Kinder-Märchen zeichnete. Die zweibändige Sammlung veröffentlichte Hoffmann gemeinsam mit den Berliner Schriftstellern Karl Wilhelm Salice-Contessa und Friedrich de la Motte Fouqué; alle drei waren befreundet und Mitglieder des Seraphinenordens, später der Serapionsbrüder. Der erste Band der Märchen erschien zu Weihnachten 1816 mit der Erzählung Hoffmanns „Nußknacker und Mausekönig“, Contessas „Gastmahl“ und Fouqués „Die kleinen Leute“.

Hoffmann hatte wohl die Erzählung Fouqués nicht mehr genau im Kopf, so dass er Reimer bittet, ihm das Märchen Fouqués noch einmal zu zusenden (oder zumindest die entsprechende Passage), um die Figur des Puppedenzkes und des Schalks von Brabants korrekt wiedergeben zu können.

Die Titelvignetten der Märchen gestaltete Hoffmann sehr aufwändig; sie nehmen – wie man auch dem Brief entnehmen kann – eindeutig Bezug zum Inhalt der Märchen, während die Schlussvignetten einfacher gestaltet sind und sich aus grotesken Ornamenten nach antiken Vorbildern zusammensetzen. Die Illustrationen Hoffmanns wurden als Lithographien gedruckt.

 

 

E.T.A Hoffmann: Das Gastmahl, in: Kinder-Mährchen von: C.W. Contessa, Friedrich Baron de la Motte Fouqué und E.T.A. Hoffmann. Berlin: Realschulbuchhandlung 1816. SBB PK Sign. B IV 2b, 2077-1

E.T.A. Hoffmann: Titelvignette zu: Das Gastmahl, in: Kinder-Mährchen von: C.W. Contessa, Friedrich Baron de la Motte Fouqué und E.T.A. Hoffmann. Berlin: Realschulbuchhandlung 1816. SBB PK Sign. B IV 2b, 2077-1

E.T.A Hoffmann: Die kleinen Leute, in: Kinder-Mährchen von: C.W. Contessa, Friedrich Baron de la Motte Fouqué und E.T.A. Hoffmann. Berlin: Realschulbuchhandlung 1816. SBB PK Sign. B IV 2b, 2077-1

E.T.A. Hoffmann: Titelvignette zu: Die kleinen Leute, in: Kinder-Mährchen von: C.W. Contessa, Friedrich Baron de la Motte Fouqué und E.T.A. Hoffmann. Berlin: Realschulbuchhandlung 1816. SBB PK Sign. B IV 2b, 2077-1

E.T.A Hoffmann: Nußknacker und Mausekönig, in: Kinder-Mährchen von: C.W. Contessa, Friedrich Baron de la Motte Fouqué und E.T.A. Hoffmann. Berlin: Realschulbuchhandlung 1816. SBB PK Sign. B IV 2b, 2077-1

E.T.A. Hoffmann: Titelvignette zu: Nußknacker und Mausekönig, in: Kinder-Mährchen von: C.W. Contessa, Friedrich Baron de la Motte Fouqué und E.T.A. Hoffmann. Berlin: Realschulbuchhandlung 1816. SBB PK Sign. B IV 2b, 2077-1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

E.T.A Hoffmann: Schlussvignette, in: Kinder-Mährchen von: C.W. Contessa, Friedrich Baron de la Motte Fouqué und E.T.A. Hoffmann. Berlin: Realschulbuchhandlung 1816. SBB PK Sign. B IV 2b, 2077-1

E.T.A. Hoffmann: Schlussvignette, in: Kinder-Mährchen von: C.W. Contessa, Friedrich Baron de la Motte Fouqué und E.T.A. Hoffmann. Berlin: Realschulbuchhandlung 1816. SBB PK Sign. B IV 2b, 2077-1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der zweite Band der Kinder-Märchen, ebenfalls mit Illustrationen Hoffmanns, erschien ebenfalls mit je einem Märchen der drei Autoren im folgenden Jahr bei Georg Reimer.

Georg Reimer war einer der wichtigsten Buchhändler und Verleger der Zeit. 1800 übernahm er die Buchhandlung der Königlichen Realschule in Berlin, die er ab 1817 als Reimersche Buchhandlung führte. Er verlegte neben Schullektüre und wissenschaftlicher Literatur zahlreiche namhafte Autoren der Romantik – so zum Beispiel Jean Paul und Heinrich von Kleist.

Der Brief wird – wie die anderen Autographe Hoffmanns – in der Handschriftenabteilung verwahrt, während das E.T.A. Hoffmann Portal sich der wissenschaftlichen und didaktischen Hoffmann-Arbeit widmet.

 

Briefdetail (Hoffmnn 14 Novbr 16“)

Briefdetail

 

Dr. Sophie Borges

Neue Kollegin: Dr. Sophie Borges verstärkt ab 18. Mai unser Team

Ab dem 18. Mai 2020 ergänzt Dr. Sophie Borges das Projektteam E.T.A. Hoffmann Portal als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin.

Sophie Borges studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der LMU München. Ihre Dissertation verfasste sie zum Thema Gelehrte im Bild. Repräsentation und Projektion: Goethe, die Brüder Humboldt und Schelling. Anschließend war sie vier Jahre lang für den Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) an der Klassik Stiftung Weimar tätig. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin forschte sie dort vor allem zu den Porträts Johann Wolfgang von Goethes und realisierte als Kuratorin zwei große externe Sonderausstellungen: 2018 „Du bist Faust. Goethes Drama in der Kunst“ an der Kunsthalle München und 2019 „Goethe. Verwandlung der Welt“ an der Bonner Bundeskunsthalle. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Porträtmalerei und -fotografie des langen 19. Jahrhunderts.

Im Projekt wird Sophie Borges an der Kuratierung und wissenschaftlichen Koordination des hybriden Ausstellungsprojekts „200 Jahre E.T.A. Hoffmann“ arbeiten. Zudem wirkt sie an der wissenschaftlichen Konzeption und Umsetzung einer Online-Bibliographie zu E.T.A. Hoffmann mit und betreibt die wissenschaftliche Pflege und Weiterentwicklung des Online-Angebots „E.T.A. Hoffmann Portal“.

Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit!

Let’s get personal oder Gestatten, mein Name sei Ernst Theodor Amadeus – Hoffmann online Nr. 5

Ein Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren… Heute wollen wir E.T.A. Hoffmann etwas persönlicher begegnen und Ihnen freie Online-Materialien zur einführenden oder auch spezielleren Beschäftigung mit seiner Biografie vorstellen. Auf ein schönes erstes oder näheres Kennenlernen mit Herrn Hoffmann also!

Aus E.T.W. wird E.T.A. – als Ausdruck seiner Bewunderung für Wolfgang Amadeus Mozart verbannt Hoffmann „den preußisch, ungeliebten Wilhelm“ aus seinem Vornamen und setzt an dessen Stelle ein Amadeus. Diese und weitere Anekdoten aus Hoffmanns Leben präsentiert Tilman Spengler in der Sendereihe Klassiker der Weltliteratur von ARD-alpha: online verfügbar in der BR-Mediathek bis zum 27. Mai 2020. Eingebettet in den (literatur)geschichtlichen und politischen Kontext begleitet er Hoffmanns persönlichen und beruflichen Weg und charakterisiert ihn vor allem als ungezügelt fantasievollen, abergründigen Literaten mit nachhaltiger Wirkung.

Eine visuell kreativ und humorvoll gestaltete (Zusammen)Fassung von Hoffmanns Biografie findet sich in der WDR-Mediathek unter dem Titel Dichter dran: E.T.A. Hoffmann. Planet Schule. In zehn Minuten werden das Auf und Ab, sowie die vielfältigen Begabungen und Leidenschaften in Hoffmanns Leben bebildert. Anhand der Erzählungen Ritter Gluck und Der Sandmann beleuchtet der Beitrag vor allem eine Besonderheit des Schriftstellers Hoffmanns: seine Fähigkeit, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen und auch die Nachtseite der menschlichen Existenz zur Sprache zu bringen.

Ausgehend vom Doppelgängermotiv erinnert Christiane Kopka in ihrem Audiobeitrag im NDR-Info-ZeitZeichen an E.T.A. Hoffmann: Schriftsteller der Romantik. Die Zerrissenheit und Gespanntheit von Hoffmann(s Leben) sowie die vielfältigen Identitätsgefährdungen in seinen Erzählungen stehen hier im Vordergrund. Mit pointierten Zitaten des Literaturwissenschaftlers und Hoffmann-Experten Hartmut Steinecke erscheint uns E.T.A. Hoffmann als „Meister der Masken“ – sowohl in seinem Werk als auch in seinem Leben.

Im Alter von 16 Jahren beginnt Hoffmann trotz seiner künstlerischen Neigungen und Talente widerwillig, unter Druck seiner Familie, das Jurastudium in Königsberg. Nebenbei verfasst er jedoch Romane, komponiert und zeichnet weiterhin. An seinen Schulfreund Theodor Gottlieb von Hippel schreibt der 20-Jährige später: „Die Wochentage bin ich Jurist und höchstens etwas Musiker, sonntags, am Tage wird gezeichnet, und abends bin ich ein sehr witziger Autor bis in die späte Nacht.“ Weitere Briefe, sowie Autographe, Biografisches und Hoffmanns Lesestoffe gibt es als Kollektionen in Hoffmann digital zu entdecken. Auch weiterführende Text-Beiträge von Hartmut Steinecke zu E.T.A Hoffmanns Briefen und E.T.A. Hoffmanns Tagebuch finden Sie in unserem Portal.

Außerdem gibt es neben einem Biogramm, verfasst von Jörg Petzel, auch einen Zeitstrahl, mit dem wichtige Ereignisse in Hoffmanns Leben thematisch geordnet und geografisch verortet nachvollzogen werden können. Wer es weniger chronologisch oder ausführlich mag, dem seien stattdessen die kleinen merkwürdigen Geschichten aus Hoffmanns Alltag unter Kurioses empfohlen. Oder die vermutlich kürzeste Biografie der Hoffmann-Audio-Geschichte: in knapp 4 Minuten wird im BR-Podcast Kalenderblatt sein Leben von der Geburt bis zur Inschrift seines Grabsteines erzählt. Letztere sei hier zum Ausklang zitiert:

E. T. W. Hoffmann

geb. Königsberg in Preußen
den 24. Januar 1776
gest. Berlin den 25. Juni 1822
Kammer Gerichts Rath

ausgezeichnet im Amte

als Dichter
als Tonkünstler
als Maler.

Gewidmet von seinen Freunden

Wissen to go – E.T.A. Hoffmann online Nr. 4

Die Ferien sind vorbei, die Schulen als physische Lernorte aber weitgehend noch geschlossen. Doch zum Glück führen viele Wege zum Wissen!

E.T.A. Hoffmanns literarische Werke sind Schullektüre in zahlreichen Bundesländern, in Nordrhein-Westfalen aktuell auch mögliches Abitur-Prüfungsthema. Insbesondere für Schüler*innen und Lehrende bietet das E.T.A. Hoffmann Portal einen ausführlichen Bereich zum Unterrichten. Dort können Interessierte zum Beispiel ihr Wissen zum Motiv des Auges oder der Automaten aus Hoffmanns Der Sandmann auffrischen oder erweitern. Daneben finden sich in der Rubrik auch je eine Lerneinheit zu Klein Zaches genannt Zinnober und zu Hoffmanns Wohnorten in Berlin, sowie Quizze – zur Biografie Hoffmanns, zur Transkription eines Briefes von Hoffmann an seinen Verleger und Freund Georg Andreas Reimer und ein Bilderrätsel. Außerdem gibt es Literaturtipps für Lehrende sowie eine große Sammlung externer Materialien zur digitalen Lehre, darunter zum Beispiel der Verweis auf die Sendung „Der goldene Topf“ – vom Zauber der Fantasie | E.T.A. Hoffmann im Porträt und Werksanalyse von Sabine Stahl, in der Reihe Sternchenthemen im Abitur des SWR2 Wissen.

Unterhaltsam und lehrreich zugleich sind außerdem die Beiträge des Podcast Radio-Wissen von Bayern 2. Biografisches zu Hoffmann, Einblicke in sein literarisches Werk und Theorien des (Un)Heimlichen verbindet Carola Zinner in ihrem Audio-Beitrag E.T.A. Hoffmann – Das Heimliche im Unheimlichen. Wer noch mehr über Hoffmann, seine vielseitigen Berufungen und Erzählungen wie Der Goldne Topf erfahren möchte, sei verwiesen auf den Beitrag E.T.A. Hoffmann – Ein Berufsbild von Gabriele Bondy. Einen Überblick zum Kontext der Romantik als Epoche und zu ihren europäischen Hauptvertreter*innen bietet unterdessen der Radio-Wissen-Beitrag Die Philosophie der Romantik – Denken als Gefühl.

Und wer es etwas verspielter mag, dem sei der Preisträger des Grimme-Online Award 2018 empfohlen: Sommers Weltliteratur to go, präsentiert von Reclam. Unter Einsatz von Playmobilfiguren spielt der Dramaturg Michael Sommer Weltliteratur in Kurzversion. Von E.T.A. Hoffmanns Werken gibt es bisher sechs Videos: Nussknacker und Mausekönig, Die Elixiere des Teufels, Der Goldne Topf, Klein Zaches genannt Zinnober, Das Fräulein von Scuderi und Der Sandmann.

Eine andere Version des Sandmann – ursprünglich eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks 1996, gelesen von Gerd Wameling – findet sich in der BR-Mediathek. Einleitend dazu stellt die Moderatorin und Redakteurin Judith Heitkamp sich und uns vor Fragen, die die Erzählung immer noch oder gerade heute wieder aufwirft: „Was ist wahr, was ist Wahn?… Lässt sich alles rational, digital in den Griff bekommen? Was wird aus den Wesen, Automaten, Algorithmen, die der Mensch erschaffen kann?“ Im zweiten Teil stellt sie Hoffmanns Olimpia in den Zusammenhang anderer Automatenliteratur (ausgewählt von Helmut Petzold), in der Männer schreibend vermeintlich ideale, künstliche Frauen erschaffen haben, etwa Ovid im Pygmalion-Gleichnis seiner Metamorphosen, der französische Romancier Auguste de Villiers de l’Isle-Adam mit seiner Eva der Zukunft des 19. Jahrhunderts oder Chris Beckett mit der Roboterfrau Lucy in Messias Maschine von 2004. Ach ach.

Seien sie ganz unautomatisch und stets wissensdurstig gegrüßt von Ihrem E.T.A. Hoffmann Portal-Team

E.T.A. Hoffmann: Sonaten; pf; f-Moll; A 30, Entstehungszeit ca.1807-1808, SBB-PK Sign. Mus.ms.autogr. Hoffmann, E.T.A. 13 (1). CC BY-NC-SA 4.0

„Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an“ – E.T.A. Hoffmann online Nr.3

Wenn für Nietzsche das Leben ohne Musik ein Irrtum wäre, so fängt für Hoffmann die Musik an, wo die Sprache aufhört? Hoffmann war bekanntermaßen nicht nur Schriftsteller, Zeichner und Jurist, sondern auch Musiker. Deshalb geht es in der dritten Ausgabe unserer E.T.A. Hoffmann online-Reihe nun weiter mit musikalischen Empfehlungen.

Ein Musikalien-Werkverzeichnis und eine erste Einführung zu Hoffmann als Musiker finden Sie in unserem Portal. Dort gibt es neben Verweisen auf Hoffmanns Musikrezensionen (z.B. seine Besprechung der 5. Sinfonie Beethovens) unter anderem auch Digitalisate originaler Musiknoten und -handschriften Hoffmanns. Denn Hoffmann spielte nicht nur Klavier, Violine und Harfe und unterrichtete Gesang, er komponierte und dirigierte auch selbst.

Einige seiner Stücke können Sie z.B. bei spotify hören. So hat etwa das deutsche Barock- und Klassik-Orchester „Kölner Akademie“ unter dem Dirigenten Michael Alexander Willens die Symphony in E-Flat Major und Aurora & Undine Overtures eingespielt. Oder hören Sie in das Album von Luisa Guembes-Buchanan, das neben den Sonatas von Hoffmann auch die Kreisleriana von Robert Schumann enthält. 1838 inspirierte nämlich die von Hoffmann geschaffene Figur des Kappelmeisters Kreisler Schumann zu dieser Klavierkomposition. Wer mehr dazu erfahren möchte, sei verwiesen auf den Audio-Beitrag WDR3-Meisterstücke: Schumann „Kreisleriana.

In der BR-Klassik Mediathek findet sich in dem Podcast Do Re Mikro – Klassik für Kinder neben einer Einführung und Geschichten zu Antonio Vivaldi und Franz Liszt auch ein kurzer Abschnitt zu Hoffmann. Außerdem gibt es in der Podcast-Rubrik Klassik aktuell der BR-Mediathek einen interessanten Interpretationsvergleich zu Hoffmanns Erzählungen. Zur aktuellen, weitläufigen Rezeption gibt es dort zudem eine Audio-Rezension von Sylvia Schreiber zur Ballettpremiere Coppélia an der Bayerischen Staatsoper und ein Gespräch mit dem Filmkomponisten James Newton Howard zum Filmstart von Disneys Nussknacker.

Im Hoffmann Portal selbst gibt es einige ausführlichere Beiträge zur musikalischen Rezeption Hoffmanns auf der Bühne und durch Komponisten. Und zum Abschluss, seien sie mit einer Ouvertüre und einem Nachwort der vielfältig von Hoffmann inspirierten Steampunk-Band Coppelius herzlich gegrüßt und musikalisch verabschiedet bis zur nächsten Empfehlung.

Odoardo Fialetti: Human Ears (1608). MEHAU KULYK / SCIENCE PHOTO LIBRARY / Universal Images Group Rights Managed.

Hört Hört – Hoffmann online Nr. 2 – Osterspezial | Ea(ste)r-Special

Ostern 1821, ein Jahr vor Hoffmanns Tod, erscheint der vierte und letzte Teil seiner „Serapionsbrüder“. Diese Sammlung von etwa 30 Erzählungen (die größtenteils zuvor einzeln in Almanachen, Taschenkalendern oder Zeitschriften erschienen sind) wird bekanntermaßen zusammengehalten von einer Rahmenhandlung: sechs Freunde treffen sich regelmäßig an acht Abenden und erzählen einander Geschichten oder lesen ihre Manuskripte vor und diskutieren diese. In einem Beitrag von Prof. Liebrand im E.T.A. Hoffmann Portal finden Sie ausführlichere Informationen zur Entstehung und zu den Traditionslinien der hoffmann’schen „Serapionsbrüder“. Denn der Kunstgriff, verschiedene Geschichten durch eine Rahmenhandlung, in der das Erzählen eben jener Geschichten den Mittelpunkt bildet, findet sich ähnlich schon in Boccaccios Decamerone oder in 1001 Nacht.

So sind diese ungewöhnlichen Ostertage vielleicht eine gute Zeit, die Tradition des Geschichten-Erzählens, des Vorlesens und Hörens aufleben zu lassen. Sei es gemeinsam oder allein, mit unbekannten oder vertrauten Stimmen.

In der Bayern2-Podcast-Mediathek gibt es zu diesem Zweck z.B. Teile der Serapionsbrüder als Hörspiel. Außerdem können Sie dort einen Art-Mix-Essay von Carl-Ludwig Reichert hören, der die Entstehung, Wirkung und das Nachleben der Serapionsbrüder beleuchtet und dabei (hör)spielerisch einen Kurz-Einblick in Hoffmanns Werk gibt.

Weitere verlesene Werke Hoffmanns finden Sie bei LibriVox. In dieser digitalen Bibliothek mit gemeinfreien Hörbüchern, eingelesen von Freiwilligen, gibt es bisher etwa 15 Lesungen von Hoffmanns Werken – hauptsächlich in Deutsch und Englisch – u.a. „Die Abenteuer der Sylvester-Nacht“, „Die Elixiere des Teufels“, „Das Fräulein von Scuderi“, „Der goldne Topf“, „Klein Zaches, genannt Zinnober“, „Meister Floh“, „Nachtstücke“, „Prinzessin Brambilla“, „Ritter Gluck“ oder „Der Sandmann“. Dem „Sandmann“ können sie außerdem als Reclam-Hörbuch-Version, gesprochen von Hans Sigl (dem „Bergdoktor“ höchstpersönlich), auf Spotify lauschen.

Da die gewohnten Ostertage in diesem Jahr mehr oder weniger ausfallen, blickt der eine oder die andere vielleicht schon auf kommende Festtage, die hoffentlich wieder „normal“ stattfinden können. Sie denken schon an Weihnachten? Dann hören Sie doch in unsere kleine Hoffmann-Portal-Weihnachtslesung des Nussknackers rein…

Wir wünschen viel Freude beim Hören und trotz allem schöne Osterfeiertage!

Liebe und Eifersucht. Free Opera Company / Bruno Rauch.

Opernvergnügen auf heimischen Bildschirmen – E.T.A. Hoffmann online Nr. 1

Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach im Brüsseler Opernhaus La Monnaie/ De Munt

„You are safe here. This here is a germfree zone…“ – Mit diesen Worten beginnt die Aufführung Hoffmann’s Erzählungen von Jacques Offenbach im Brüsseler Opernhaus La Monnaie. Diese soll den Auftakt bilden zu einer Reihe von Online-Empfehlungen, die wir Ihnen für die Zeit der „Kontaktlosigkeit“ und der ausfallenden kulturellen Veranstaltungen auf diesem Wege zukommen lassen wollen. Denn die Inszenierung von Krzysztof Warlikowski wurde am 20. Dezember 2019 aufgezeichnet und wird von arte.tv bis zum 18. Mai 2020 kostenfrei zur Verfügung gestellt. Lehnen Sie sich also auf dem heimischen Sofa zurück und lauschen Sie Jacques Offenbach. Unter musikalischer Leitung von Alain Altinoglu führen das Sinfonieorchester und der Chor des Opernhauses, Eric Cutler in der Rolle des Hoffmann und Patricia Petibon als Olympia, Antonia, Giulietta und Stella in 185 Minuten durch die dreigeteilte Handlung. Hoffmann als Regisseur und Protagonist seiner eigenen Geschichte(n), eine Leinwand im Hintergrund, Projektionen, vereinzelt gesprochene Filmdialogfragmente in Englisch, Kostüme und Set der Ausstatterin Małgorzata Szczęśniak im Stil der 1960er Jahre – sind nur einige Besonderheiten dieser Neuinszenierung. Der Regisseur Krzysztof Warlikowski, so Volker Hagedorn in seiner Rezension in DIE ZEIT „holt Hoffmanns Erzählungen, die Oper, über der Jacques Offenbach 1880 starb, auf eine Weise an uns heran und aus der frühen Belle Époque heraus, als wolle er sich und unsere Zeit begreifen […].“

Liebe und Eifersucht bei der Free Opera Company

Auch unsere zweite Empfehlung, die Inszenierung von Liebe und Eifersucht der Free Opera Company, vollführt einen imaginären Zeitsprung. Der Regisseur Bruno Rauch versetzt das Singspiel in drei Akten nach der Komödie La banda y la flor von Pedro Calderón de la Barca, mit der Musik von E.T.A. Hoffmann in die heutige Zeit. Die Inszenierung ist exklusiv und dauerhaft auf dem Hoffmann-Portal zu sehen. Neben der Videoaufzeichnung einer Live-Aufführung finden Sie hier weitere Informationen zur Inszenierung, ein Interview mit dem Intendanten/ Regisseur Bruno Rauch, Hörproben und eine Bildergalerie. Genießen Sie neben der Musik die farbenfrohen Kostüme und lassen damit den Frühling einkehren.

Wir hoffen, wir können damit ein wenig über die fehlenden Theater- & Opernbesuche, Musikveranstaltungen und Lesungen hinwegtrösten. Bleiben Sie gesund und passen Sie gut auf sich und ihre Mitmenschen auf.

Ihr E.T.A. Hoffmann Portal-Team

Stellenausschreibung Softwareentwickler*in (m/w/d) Frontend: Projekt HoPo3

Und noch eine Stellenausschreibung: Dieses Mal sucht das Projektteam E.T.A. Hoffmann Portal eine/n Softwareentwickler*in (m/w/d) Frontend zur Verstärkung für das Projekt HoPo3. Sie haben Interesse? Hier geht’s zur Stellenausschreibung:

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

Am Rande der Nacht – zweimal E.T.A. Hoffmann in der Zeitung Politik & Kultur

Die Dezember/Januarausgabe (12/19; 1/20) der Zeitung Politik & Kultur – Zeitung des Deutschen Kulturrates widmet ihren Thementeil Am Rande der Nacht der Kultur der Dunkelheit. Verschiedenste Aspekte der Nachtseiten des Lebens werden beleuchtet: so beschreibt der Beitrag Das Visualisierungstheater der Wissenschaften die Aufgaben von Planetarien, ein anderer Artikel beschäftigt sich unter dem Titel Verlust der Nacht mit einem Forschungsnetzwerk zur Reduzierung der Lichtverschmutzung.

Natürlich darf das Motiv der „Nacht in der Literatur“ nicht fehlen – und wer eignet sich für eine Untersuchung besser als E.T.A. Hoffmann?

Frau Professor Anne Fleig stellt in einem Interview mit Theresa Brüheim Nachtstücke – Dunkelheit als literarisches Motiv bei E.T.A. Hoffmann vor. Sie legt dar, warum Hoffmann von der Dunkelheit als „unerschöpflicher Raum der Fantasie, voller Geheimnisse, aber auch [als] ein Hort von Schauermärchen und Spukgestalten“ so fasziniert war, welche Einflüsse auf Hoffmanns Begeisterung für die Nacht wirkten und welche Nachwirkungen seine Texte bis heute haben.

Auch ein zweiter Artikel – Alles Interessante ereignet sich im Dunkeln – von Herrn Professor Markus Bernauer behandelt die Umsetzung des Themas „die Nacht in der Literatur“. Markus Bernauer nimmt auch Hoffmann mit in den Blick – diesmal seine Musikästhetik und hierbei die Funktion der Nacht in ihrer Fremdheit als Vermittler zur wirklichen Welt.

Beide Autoren sind dem E.T.A. Hoffmann Portal eng verbunden:

Frau Fleig ist Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität; sie bietet in diesem Semester gemeinsam mit dem Projektteam des E.T.A. Hoffmann Portals eine Lehrveranstaltung zum Thema Romantik im E.T.A. Hoffmann Portal – Texten fürs Web an: die studentischen Beiträge z.B. zu den Verlegern Hoffmanns oder der Technik der Romantik werden im Laufe des Frühjahrs in das Portal eingestellt.

Markus Bernauer ist apl. Professor am Fachgebiet Literaturwissenschaft des Instituts für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte an der TU Berlin sowie Leiter der Jean Paul Edition und Arbeitsstellenleiter des Projekts „Libertinismus in Deutschland um 1800“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; für das Hoffmann-Portal schrieb er einen Beitrag zur Berliner Romantik.

Die Beiträge der Zeitschrift Politik & Kultur – Zeitung des Deutschen Kulturrates können Sie hier als E-Paper (pdf) kostenfrei lesen.