550 Jahre Kammergericht – Buchvorstellung am 26.11. in Berlin

Das Kammergericht feiert in diesem Jahr sein 550-jähriges Bestehen, genauer gesagt: seine Erwähnung in einer Urkunde aus dem Jahr 1468. Seit wann es besteht, weiß indes niemand so ganz genau. Auf jeden Fall ist es das älteste noch existierende und berühmteste deutsche Gericht, das für Berlin heute die Aufgaben eines Oberlandesgerichts wahrnimmt. Aus einem mittelalterlichen Hofgericht, das im Berliner Schloss tagte, entwickelte es sich in der Epoche der Aufklärung zu einem in ganz Europa gefeierten Symbol für Rechtsstaatlichkeit.

Als solches stand es 1798 auf einem Höhepunkt seines Ansehens: In diesem Jahr lernte E.T.A. Hoffmann den Gerichtsbetrieb als Referendar von innen kennen. Damals tagte das Kammergericht im Collegienhaus an der Lindenstraße, im heutigen Altbau des Jüdischen Museums. Nach den Freiheitskriegen begann Hoffmann im Jahr 1814 dort wieder zu arbeiten und machte Karriere als Kammergerichtsrat im Kriminalsenat. Da er während der sogenannten Demagogenverfolgung in der Restaurationsperiode strikt für Rechtsstaatlichkeit eintrat, steht Hoffmann bis heute bei den Richterinnen und Richtern am Kammergericht in hohem Ansehen (→ Hoffmann als Jurist).

In jeder Chronik des Kammergerichts nehmen Hoffmann und sein Eintreten für verfolgte Oppositionelle wie den “Turnvater” Friedrich Ludwig Jahn einen Ehrenplatz ein. So auch in dem reich illustrierten Band Das Kammergericht in Berlin, den Michael Bienert zum 550. Jubiläum vorgelegt hat. Der Auftrag an den Nichtjuristen kam zustande, nachdem Bienert im Kammergericht sein 2015 erschienenes Buch E.T.A. Hoffmanns Berlin vorgestellt hatte (→ E.T.A. Hoffmanns Berlin). Daraufhin wurde er von der Gerichtsleitung mit der Frage überrascht: “Wollen Sie nicht auch ein Buch über uns schreiben?”

Um die unendliche Stofffülle zu bewältigen, hat der Autor vierzig exemplarische Tage aus dem langen Leben des Kammergerichts ausgewählt, von denen aus er zentrale Themen, Zäsuren und Prozesse beleuchtet. Der Gang durch die Geschichte ist abwechslungsreich, weil von extremen Höhen und Tiefen geprägt. Das Kammergericht war im 19. Jahrhundert preußischer Staatsgerichtshof und ab 1879 Oberlandesgericht der deutschen Hauptstadt. In seinem wilhelminischen Justizpalast am Kleistpark tagten der NS-Volksgerichtshof und ab 1945 die alliierte Militärregierung für ganz Deutschland. Im geteilten Berlin wurde sein Präsident Günter von Drenkmann 1974 von Linksterroristen ermordet. Seit der Wiedervereinigung ist das Kammergericht wieder für ganz Berlin zuständig – vor allem als oberstes Berufungsgericht, aber auch in erster Instanz bei Staatsschutzprozessen gegen Terrorverdächtige oder Spione. Das letzte Kapitel des Buches widmet sich den Schwierigkeiten bei der Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs, ein langes Interview mit dem amtierenden Kammergerichtspräsidenten Dr. Bernd Pickel rundet den Überblick ab. Die im Frühjahr erschienene erste Auflage des Buches war nach wenigen Wochen vergriffen, eine zweite Auflage ist seit November lieferbar.

Veranstaltungshinweis

Buchvorstellung mit Autor Michael Bienert und der Pressesprecherin des Kammergerichts Annette Gabriel
26. November 2018, 15.30 Uhr
Urania Berlin
Informationen und Tickets

Publikation

Michael Bienert
Das Kammergericht in Berlin
Orte – Prozesse – Ereignisse
Herausgegeben von dem Präsidenten des Kammergerichts
192 Seiten, 132 Abbildungen
Hardcover mit Schutzumschlag
Format: 21,0 x 22,5 cm
ISBN 978-3-947215-15-7
€ 25,00 (D) / € 25,70 (A)
http://www.verlagberlinbrandenburg.de/buecher/regionales/das-kammergericht-in-berlin.html

Elixiere des Teufels im Zeughauskino

Haben Sie am ersten Freitag im November schon Pläne? In der Reihe „Wiederentdeckt“ zeigt das Zeughauskino am 2. November um 18:30 Uhr die Verfilmung der „Elixiere des Teufels“ von Ralf Kirsten. Dr. Anett Werner-Burgmann (HU Berlin) wird in den 1973 erschienenen Film einführen.

Aus dem Ankündigungstext:

‚Basierend auf dem Roman Die Elixiere des Teufels des Romantikers E.T.A. Hoffmann erzählen Ralf und Brigitte Kirsten die phantastische Geschichte des jungen Mönchs Franziskus, der sich als Seminarist eines Kapuzinerklosters in Aurelie, die schöne Tochter des Barons von Waldstätten, verliebt. Als Franziskus daran zu zweifeln beginnt, ob er nur als Mönch seine Ideale verwirklichen kann, wird er zum Bischof nach Rom geschickt. Auf der abenteuerlichen Reise begegnet er seinem Doppelgänger und wird eines Doppelmordes beschuldigt. Obwohl er unschuldig ist, wird Franziskus immer tiefer in dunkle Machenschaften verstrickt, die er nur schrittweise zu durchdringen vermag.‘

Der Eintritt kostet 5 €. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf der Website des Deutschen Historischen Museums.

Wir evaluieren das Portal – machen Sie mit!

Liebe Nutzerinnen und Nutzer des E.T.A. Hoffmann Portals,

seit Dezember 2016 ist das Portal nunmehr online und bietet Interessierten umfassende Informationen und vielfältige Recherchemöglichkeiten rund um die Person E.T.A. Hoffmanns.

Nach der mittlerweile knapp dreijährigen Laufzeit des Portals würden wir gern von Ihnen erfahren, wie Sie das bisherige Angebot einschätzen und bewerten. Zu diesem Zweck führen wir Interviews und sogenannte ‚Usability Tests‘ durch. Bitte beteiligen Sie sich und unterstützen Sie uns damit bei der Weiterentwicklung des Portals.

Was?

  1. Berichten Sie in einem Interview (ca. 60 Minuten) Ihre Nutzungserlebnisse und Verbesserungsvorschläge zum Portal.
  2. Nehmen Sie an einem Usability Test (ca. 90 Minuten) in der Staatsbibliothek am Potsdamer Platz teil und lernen Sie dabei das Portal noch besser kennen. Beim diesem Test nutzen Sie das Portal, um verschiedene Aufgaben zu lösen und kommentieren Ihr Vorgehen dabei live.

Wann?

  1. Interviews: 15.10.2018 – 26.10.2018
  2. Usability Tests: 12.11.2018 – 16.11.2018

Wo?

  1. Die Interviews finden in der Staatsbibliothek zu Berlin in der Potsdamer Straße 33 statt. Interviews sind auch telefonisch, via Skype oder Google Hangouts möglich.
  2. Die Usability Tests finden in der Staatsbibliothek zu Berlin in der Potsdamer Straße 33 statt.

Wie?

Kontaktieren Sie uns mit dem Stichwort „Nutzungsanalyse“ und der Information, ob Sie an einem Interview oder an einem Usability Test teilnehmen möchten und ggf. schon mit einem Wunschtermin. Sie erhalten dann ausführliche Informationen zum weiteren Vorgehen sowie mehrere Terminvorschläge und können Fragen stellen.

Warum?

Ihre Beteiligung hilft uns bei der Weiterentwicklung des Portals die richtigen Schwerpunkte zu setzen.  Bei allen Teilnehmenden bedanken wir uns mit einer Aufmerksamkeit nach Wahl:

  • einem Hoffmann-Faksimile
  • einer individuellen Führung durch eines unserer Häuser (wahlweise Unter den Linden oder Potsdamer Straße)
  • die gebührenfreie Nutzung der Staatsbibliothek für einen Monat

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Neuer Newsletter – melden Sie sich jetzt an!

Das Projektteam E.T.A. Hoffmann Portal versorgt Sie ab sofort etwa 4-6 Mal im Jahr mit aktuellen Informationen zu unseren Projektaktivitäten und neuen Inhalten im Portal, mit Neuigkeiten rund um E.T.A. Hoffmann und Interessantem zu verwandten Themen. Der erste Newsletter wird Mitte September an alle Abonnent*innen verschickt. Nutzen Sie die Gelegenheit und melden Sie sich jetzt gleich für unseren Newsletter an:

Rezeption in Italien – Neuerscheinung von Sandro M. Moraldo

Im vergangenen Herbst veröffentlichte Sandro M. Moraldo den zweiten und letzten Band seiner italienischen Einführung in E.T.A. Hoffmanns Leben und Werk E.T.A. Hoffmann. Vita e opere. I Racconti. Mailand: Vita e Pensiero 2017, der sich mit folgenden Erzählungen Hoffmanns befasst:

I. Fantasiestücke in Callots Manier (1814/1815)
II. Die Nachtstücke (1816/1817)
III. Die Serapionsbrüder (1819/1821)
IV. Späte Erzählungen (1822)

In einem erzählenden Ton wird dem italienischsprechenden Lesepublikum das Phantastische in Hoffmanns Erzählungen und deren Dualismus von Phantasie und Alltag, von Traum und Wirklichkeit nahegebracht. Sandro Moraldo beabsichtigt durch diese prägnante Einführung in Hoffmanns Werk, das Interesse für den genialen Dichter des Phantastischen auch in Italien wachzuhalten.

Einen ersten wichtigen Beitrag in dieser Richtung hatte der Autor, der als Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität „La Cattolica“ zu Mailand lehrt, bereits 2002 mit der Organisation einer italienisch-deutschen Tagung über „E.T.A. Hoffmann und Italien“ geleistet (Mailand, 2.–4. November 2002). Im selben Jahr erschien auch der Tagungsband Das Land der Sehnsucht. E.T.A. Hoffmann und Italien.

An diese Erfahrung knüpfte nach 15 Jahren als ideelle Kontinuität die deutsch-italienische Tagung E.T.A. Hoffmanns Stadterkundungen und Stadtlandschaften an, die am 1. und 2. Juni letzten Jahres in der Staatsbibliothek zu Berlin stattfand. Der vorgesehene Tagungsband wird im kommenden Herbst bei Königshausen & Neumann erscheinen.

Gastbeitrag von Frau Dr. Tiziana Corda, Berlin

Mehr zur E.T.A. Hoffmann-Rezeption in Italien

Vortrag in Frankfurt(M): Karl Marx – ein Romantiker (24.4.)

In der Reihe „Was ist Romantik?“ lädt das Frankfurter Goethe-Haus am 24. April um 19:00 Uhr zum Vortrag „Karl Marx – Ein Romantiker“: Die Referenten Dr. Rainer Hank (FAZ) und Prof. Dr. Jochen Hörisch (Universität Mannheim) sprechen darin unter anderem über Marx‘ Dichtungen im Schreibstil von Jean Paul und E.T.A. Hoffmann.

Informationen und Anmeldung

 

Vorschau:

Um E.T.A. Hoffmann geht es auch im darauffolgenden Vortrag der Reihe: Am 1. November 2018 werden Prof. Dr. Markus Bernauer und Tilman Spreckelsen über den „Roman des Freiherrn von Vieren“ sprechen – ein Gemeinschaftswerk der Dichter E.T.A. Hoffmann, Adelbert von Chamisso, Karl Wilhelm Salice-Contessa und Friedrich de la Motte Fouqué. Merken Sie sich diese Veranstaltung gerne schon vor.

Informationen und Anmeldung

Tagung der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft am 12./13. Mai in Bamberg

Am 12. und 13. Mai findet die diesjährige Tagung der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft mit Forschungsforum in Bamberg statt. Am Vorabend lädt das E.T.A. Hoffmann Orchester Berlin zu einem Musik-Salon im Geiste von E.T.A. Hoffmann „Musik und russische Literatur“ in die Harmonie am Bamberger Schillerplatz ein.

Programm der Tagung der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft inkl. Rahmenprogramm

Ankündigung zum Vortrag von Prof. Dr. Rüdiger Görner

Der Vortrag von Prof. Dr. Rüdiger Görner (London) am 12. Mai und die Filmvorführung am 13. Mai des Stop Motion Künstlers Stanislav M. Sokolov (Moskau) am 13. Mai sind öffentlich. Für die musikalisch-literarische Soiree am Samstagabend, 12. Mai 2018, bittet die E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft wegen der begrenzten Raumkapazität um Anmeldung unter Tel. 0951-968 44 93 oder per E-Mail an Andreas Ulich.

Werkstattgespräch der SBB: Zur Materialität und Kontextualität des russischen Künstlerbuches der Gegenwart

Am Dienstag, 6. Februar 2018, um 18.15 Uhr spricht PD Dr. Viola Hildebrand-Schat (Goethe-Universität Frankfurt a.M.) im Rahmen der Veranstaltungsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog in der Staatsbibliothek zu Berlin – PK (Haus Unter den Linden) über die Materialität und Kontextualität des russischen Künstlerbuches der Gegenwart. Unter anderem stellt sie Künstlerbücher von Michael Bensman zu E.T.A. Hoffmanns Erzählungen ‚Die Automate‘ und ‚Don Juan‘ vor. Die Werke können im Anschluss im Original betrachtet werden.

Der Eintritt ist frei.

Aus dem Ankündigungstext:
‚Die Bezeichnung Kniga chudoschnikov (russ. für „Künstlerbuch“) kommt erst mit Beginn der 1990er Jahre auf. Das Arbeiten mit Büchern hingegen hat in der russischen Kunst eine weitreichendere Tradition, die teils in der gegenwärtigen Szene fortlebt, teils aber auch völlig neue Wege beschreitet. Diese zeigen sich in raumgreifenden Konzeptionen buchbestimmter Welten, zeigen sich aber auch in den verschiedene Buchformen auslotenden Beispielen. Eine Auswahl gibt Einblick in eine bewegte Szene buchkünstlerischen Arbeitens.‘

Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Anmeldung finden Sie auf der Veranstaltungsseite im Blog der SBB.

Ein Abend für E.T.A. Hoffmann

Am 12. Dezember feierte die Staatsbibliothek zu Berlin den Launch des E.T.A. Hoffmann Portals in einer Festveranstaltung mit mehr als 250 Gästen. Schon vor Beginn des offiziellen Programms betrachteten sie ausgewählte Originaldokumente zu E.T.A. Hoffmann und erkundeten die digitale Präsentation dieser Objekte im neuen Webportal.

Nach Grußworten von Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, sowie Dr. Bettina Wagner, Direktorin der Staatsbibliothek Bamberg, und Jörg Petzel, Vizepräsident der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft, stellten Ursula Jäcker und Christina Schmitz die Kernelemente und einige ausgewählte Funktionen des E.T.A. Hoffmann Portals vor. Bei inzwischen mehr als 100 einzelnen Webseiten konnte dies nur ein kleiner Einblick in die umfangreichen Inhalte und Funktionen sein.

Im Anschluss zeigte Prof. Dr. Claudia Liebrand von der Universität zu Köln am Beispiel von neueren Publikationen zu E.T.A. Hoffmanns „Sandmann“ einige Trends der aktuellen Hoffmann-Forschung auf, während Sibylle Söring vom Center für Digitale Systeme der Freien Universität Berlin den Mehrwert von digitalen Angeboten in der geisteswissenschaftlichen Forschung herausstellte.

Besonders berührend war die musikalische Darbietung von zwei ausgewählten Stücken aus den ‚Duettini italiani‘ (WV 67), denn nur selten hat man Gelegenheit zu hören, ‚wie Hoffmann klingt‘: Seine Kompositionen werden leider viel zu selten aufgeführt.

Der Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Ingo Schulze. Der merklich von E.T.A. Hoffmann beeinflusste Autor las aus seinen eigenen sowie aus Hoffmanns Werken und unterhielt sich mit Christina Schmitz, Projektleiterin des E.T.A. Hoffmann Portals, über sein Leben, seine Arbeitsweise als Schriftsteller und den Einfluss E.T.A. Hoffmanns auf sein Schaffen.

Bei einem Glas Wein oder Sekt, spendiert von E.T.A. Hoffmanns altem Stammgasthaus Lutter & Wegner, tauschten sich die Gäste über ihre Eindrücke aus, ließen neu erstandene Bücher signieren und stöberten an PC-Stationen durch das E.T.A. Hoffmann Portal.

 

"Das Fräulein von Scuderi" (DDR/SE 1954/55, Eugen York) Quelle: Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, Berlin ©DEFA-Stiftung/Eduard Neufeld

Rückblick: E.T.A. Hoffmann beim 30. Internationalen Filmhistorischen Kongress in Hamburg

Beim 30. Internationalen Filmhistorischen Kongress („Zwischen Revolution und Restauration. Kultur und Politik 1789–1848 im Spiegel des Films“) tauschten sich vom 23.–25. November in Hamburg Forschende über filmische Bearbeitungen literarischer Werke aus, die im Kern die Umbrüche zwischen der Französischen Revolution und der gescheiterten Revolution von 1848 verhandeln. Dass E.T.A. Hoffmann als Vertreter der Romantik in diesem Kontext nicht fehlen durfte, versteht sich von selbst. Drei Vorträge beschäftigten sich deshalb auch mit Verfilmungen von Werken Hoffmanns und immerhin vier der zahlreichen Verfilmungen wurden im Rahmen des cinefests 2017 im Kino Metropolis gezeigt:

  • Der Filmwissenschaftler und Leiter der Rowohlt Agentur für Medienrechte Michael Töteberg stellte den Neuen Deutschen Film ins Zentrum seiner Ausführungen und zog unter anderem den 1968/69 von Edgar Reitz gedrehten Film „Cardillac“ als Beispiel heran. Diese Verfilmung von Hoffmanns Novelle „Das Fräulein von Scuderi“ (1819) siedelt den Stoff in der 1968er Gegenwart an und ist in Tötebergs Augen ein Beispiel für Literaturverfilmungen, die nicht zuletzt deshalb zustande kamen, weil klassische Stoffe dem Profil der neu begründeten Filmförderung entsprachen.
  • Auch bei Anett Werner-Burgmann standen Klassikerverfilmungen im Zentrum, allerdings diejenigen der DEFA aus den 1970er und 1980er Jahren. In Ralf Kirstens Verfilmung der „Elixiere des Teufels“ (1972/73) als deutsch-tschechoslowakische Produktion offenbart sich die Entstehungszeit nicht nur durch teilweise zeitgenössische Kostüme, sondern auch auf der Ebene der von Synthesizern geprägten Filmmusik. Obwohl der Film damit insbesondere ein jugendliches Publikum ansprechen wollte, fand Kirstens Werk nur wenig Anklang: Die Einflüsse der Nouvelle Vague und der Tschechoslowakischen Neuen Welle ließen einen Film entstehen, der für den Publikumsgeschmack zu intellektuell und zu schwer verständlich war.
  • Der Germanist Günter Dammann fokussierte ebenfalls auf eine DEFA-Verfilmung und skizzierte die Textgrundlagen von Eugen Yorks das „Fräulein von Scuderi“ (1955): Die Koproduktion mit der schwedischen Firma Pandora – die von westdeutschen Filmschaffenden zum Zwecke der Kooperation mit DDR-Filmern gegründet worden war – bezieht sich mindestens so sehr auf die 1847 erschienene Dramatisierung der Novelle durch Otto Ludwig wie auf den eigentlichen Text Hoffmanns.

Im Kino konnten die TeilnehmerInnen des Kongresses dann neben dem Film von Eugen York auch den frühen unter der Regie Richard Oswalds entstandenen Autorenfilm „Hoffmanns Erzählungen“ (1916) sowie zwei weitere Verfilmungen vom „Fräulein von Scuderi“ kennenlernen: Den Stummfilm „Juwelen“, der 1929 von Hans Brückner gedreht wurde, und den bereits erwähnten „Cardillac“ von Edgar Reitz. Während der bei seinem Erscheinen gefeierte Stummfilm „Hoffmanns Erzählungen“ in seiner technischen Konventionalität den Stand des deutschen Kinos um 1916 repräsentiert, verlegt „Juwelen“ die Handlung der Hoffmannschen Novelle in das Wien der damaligen Gegenwart und präsentiert einen der letzten Krimis als Stummfilm. Nicht zuletzt wegen des 1930 folgenden Umbruchs zum Tonfilm erhielt „Juwelen“ nur wenig Aufmerksamkeit. Heute sind leider nur noch etwa zwei Drittel des Films erhalten.

Schon diese kleine Filmauswahl zeigt, dass die Wirkung E.T.A. Hoffmanns auf den Film kaum zu überschätzen ist und nach wie vor reges Interesse der Forschung weckt. Weitere Informationen finden Sie im Katalog des Hamburger Kongresses, der neben einer großen Auswahlfilmographie zum Kongressthema auch informative Kurzeinführungen oder zeitgenössische Kritiken zu allen beim cinefest gezeigten Filmen bereithält.