„Na, ich hoffe, auch für die ELIXIERE kommt Zeit, kommt Rat.“ – Teilnachlass von Fritz Fischer erworben

Anfang 2018 erwarb die Handschriftenabteilung eine reich illustrierte Brieffolge des Zeichners und Buchillustrators Fritz Fischer an den Buchautor Georg Schneider. Fritz Fischer war einer der wichtigsten deutschen Buchillustratoren, der unter anderem für Brockhaus, Reclam, List und Insel arbeitete.

Fritz Fischer (*1911 Unterwiesental, +1968 München) studierte an der TH Dresden und an der Kunstakademie Leipzig, arbeitete als Pressezeichner für die Neue Leipziger Zeitung und schließlich als freier Illustrator. Neben Zeichnungen zu Werken von Wilhelm Hauff, der Brüder Grimm oder Edgar Allen Poe schuf er Illustrationen zu zahlreichen Werken Hoffmanns.

Der Teilnachlass enthält 87 eigenhändige Briefe, 10 eigenhändige Postkarten und 59 eigenhändige Umschläge mit insgesamt 135 Federzeichnungen, ferner eine Todesanzeige der Familie Fischer, verschiedene masch. Briefe von Verlagen und einen masch. Brief des Kunsthistorikers Martin Gosebruch (1919-1992) mit einer Kritik an der FAZ.

Faszinierend an Fischers künstlerischer Herangehensweise ist die enge Verbindung von Text und Bild. So schrieb Fischer die Werke vollständig ab, um sich mit dem literarischen Text auseinanderzusetzen, und schuf im Zusammenspiel von geschriebenem Text und eingearbeiteten Bildern und Bilderfolgen ein einzigartiges Gesamtkunstwerk. Diese Textbilder (oder Bildtexte) finden allerdings nur schlecht ihre Entsprechung in gedruckten Büchern, sodass viele seiner Werke leider unveröffentlicht blieben.

Der Teilnachlass gibt detaillierte Einblicke in das buchillustratorische Werk und den künstlerischen Schaffensprozess Fischers. So beschreibt er im Briefwechsel ausführlich die verschiedensten Buchprojekte und vermittelt einen lebendigen Eindruck davon, wie er sich mit zahlreichen Skizzen und Vorzeichnungen den jeweiligen Sujets nähert. Fast jedes Schreiben und jeden Briefumschlag versieht Fischer liebevoll mit Illustrationen, zum Versiegeln verwendet er Zeichnungen auf kleinen Papierstücken, die er auf die Umschlaglasche klebt.

Umschlag aus dem Teilnachlass Fritz Fischers. In Copyright.

Die Leser*innen erfahren aus der Brieffolge auch, wie sich Fischer über den Verleger der von ihm illustrierten Ausgabe des Fräulein von Scuderi ärgert und welche Schwierigkeiten er mit seinen Illustrationen zu den Elixieren des Teufels hatte, denn an E.T.A. Hoffmann trauten sich die Verleger nicht so recht ran.

Briefwechsel aus dem Teilnachlass Fritz Fischers. In Copyright.

Besonders amüsant liest sich Fischers Bericht über die Entführung von Gartenzwergen („In den Staub mit allen Feinden der Gartenzwerge!“), bei dem man hin- und hergerissen ist, ob man es bei dem Autor mit einem Fanatiker oder schärfsten Ironiker zu tun hat.

 

 

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